KSB Frankenthal investiert 70 Millionen Euro in die Eta-Fertigung

KSB baut seinen Stammsitz in Frankenthal zu einem europäischen Zentrum für elektronisch geregelte Pumpen aus. Die Investition von mehr als 70 Millionen Euro soll die Produktion modernisieren, die Kapazität erhöhen und zugleich zeigen, unter welchen Bedingungen industrielle Wertschöpfung am Standort Deutschland noch wettbewerbsfähig organisiert werden kann.

Die Eta Pumpenproduktion gehört seit Jahrzehnten zum industriellen Kern von KSB Frankenthal. Bis 2030 sollen neue Hallen entstehen, bestehende Bereiche saniert und Bearbeitung, Montage sowie Logistik neu geordnet werden. Das Unternehmen plant den Umbau bei laufender Fertigung, was den technischen Aufwand erhöht und längere Übergangsphasen wahrscheinlich macht. Für KSB ist das Projekt dennoch zentral, weil die Werke in Deutschland nicht nur produzieren, sondern auch Entwicklungserfahrung, Fachkräfte und Zulieferbeziehungen bündeln.

Die Modernisierung soll Kapazität und Liefergeschwindigkeit zugleich erhöhen

Derzeit entstehen in Frankenthal rund 54.000 Eta-Pumpen pro Jahr, bis 2030 sollen es 65.000 sein. KSB verbindet den Kapazitätsausbau mit kürzeren Durchlaufzeiten, ohne die Qualitätsstandards abzusenken. Dafür sollen Maschinen und Materialflüsse neu angeordnet werden, während ältere Hallenteile schrittweise kernsaniert werden. Rund 90 Prozent der neuen Fabrik sollen nach Unternehmensangaben bis zum Ende des Jahrzehnts fertiggestellt sein.

Die Eta Pumpenproduktion wird damit nicht lediglich vergrößert, sondern stärker digitalisiert und auf elektronisch geregelte Modelle ausgerichtet. Solche Pumpen passen ihre Leistung an den tatsächlichen Bedarf an und können dadurch weniger Strom verbrauchen als dauerhaft mit gleicher Leistung laufende Systeme. Das ist besonders in der Gebäudetechnik relevant, wo Pumpen Heizungs-, Kühl- und Wasserkreisläufe bewegen. KSB fertigt in Frankenthal bereits die Baureihe EtaLine Pro und will weitere Produktfamilien auf kommende Effizienzanforderungen vorbereiten.

Energieeffiziente Pumpen werden im europäischen Wettbewerb wichtiger

Der Pumpenmarkt in Europa steht unter wachsendem Druck, den Stromverbrauch von Gebäuden und Industrieanlagen zu senken. Nach Angaben des Unternehmens entfallen 10 bis 15 Prozent des europäischen Stromverbrauchs auf Pumpen, wobei die tatsächliche Einsparung stark von Anwendung, Regelung und Betriebsweise abhängt. Elektronisch gesteuerte Systeme können deshalb einen erheblichen Beitrag leisten, sofern alte Anlagen ersetzt und neue Pumpen korrekt ausgelegt werden. Für KSB eröffnet dieser Umbau Nachfragechancen, verschärft aber zugleich den Wettbewerb um effiziente Technik, Preise und kurze Lieferzeiten.

Auch die Produktion selbst soll weniger Energie benötigen. Vorgesehen sind Photovoltaikanlagen, begrünte Dächer und die Einbindung einer neuen Lacktrocknung in das Nahwärmenetz des Werks. Diese Maßnahmen senken nicht automatisch die gesamten Emissionen der Fertigung, sie können aber Betriebskosten stabilisieren und den Energiebezug verringern. Damit verbindet KSB die Modernisierung mit einer industriellen Effizienzstrategie, die über das einzelne Produkt hinausgeht.

Die Investition ist ein Signal für den Industriestandort Deutschland

Mit mehr als 70 Millionen Euro zählt das Vorhaben zu den größten Einzelinvestitionen der Unternehmensgeschichte. Für den Industriestandort Deutschland ist die Entscheidung bemerkenswert, weil viele exportorientierte Hersteller zugleich mit hohen Energie-, Arbeits- und Regulierungskosten ringen. KSB Frankenthal setzt dennoch auf den Ausbau eines bestehenden Werks statt auf eine Verlagerung oder einen reinen Neubau im Ausland. Das sichert Know-how und Beschäftigung am Stammsitz, bindet das Unternehmen aber langfristig an die Entwicklung der deutschen Rahmenbedingungen.

Geschäftsleitungssprecher Stephan Timmermann verknüpfte das Projekt entsprechend mit Forderungen an Politik und Sozialpartner. Wettbewerbsfähigkeit sei kein Selbstläufer, sondern setze Investitionen im Unternehmen und verlässliche Bedingungen außerhalb des Werks voraus. Der Hinweis ist auch industriepolitisch relevant, weil moderne Fabriken hohe Anfangskosten verursachen und sich erst über Jahre rechnen. Ob der Pumpenmarkt in Europa dauerhaft von dem Ausbau profitiert, hängt daher nicht nur von der Technik ab, sondern ebenso von Nachfrage, Energiepreisen und der Investitionsbereitschaft der Kunden.

Frankenthal soll zum Kompetenzzentrum für geregelte Pumpen werden

Die Eta-Baureihe reicht historisch bis in die 1930er-Jahre zurück und prägt die Produktidentität von KSB bis heute. Mit dem Umbau wird ein traditionsreiches Standardprodukt auf digital geregelte und energieeffizientere Anwendungen ausgerichtet. Damit versucht der Konzern, industrielle Kontinuität und technologischen Wandel an einem Standort zu verbinden. Für den Industriestandort Deutschland liegt darin die eigentliche Bedeutung des Projekts: Nicht die Größe der neuen Hallen entscheidet, sondern die Frage, ob sich hochwertige Serienfertigung, Energieeffizienz und international konkurrenzfähige Kosten dauerhaft zusammenbringen lassen.

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