LANXESS Pigmente: Warum Eisenoxid aus Krefeld seit 100 Jahren gefragt ist

LANXESS Pigmente aus Krefeld-Uerdingen stehen für ein Stück deutscher Chemiegeschichte, das weit über klassische Farbanwendungen hinausreicht. Seit 1926 produziert der Spezialchemiekonzern am Chempark Krefeld-Uerdingen synthetische Eisenoxidpigmente, die heute in Baustoffen, Kunststoffen, Lacken und industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Das Jubiläum zeigt, wie eng Baustoffe und Chemieindustrie bis heute miteinander verbunden sind.

Die Geschichte begann mit einem Verfahren, das zunächst eher aus der Logik industrieller Nebenströme entstand als aus einem gezielten Markenaufbau. Der Chemiker Julius Laux entwickelte in der damaligen Anilin-Produktion eine Methode, bei der anfallendes Eisenoxid nicht entsorgt, sondern zu einem nutzbaren Pigment weiterverarbeitet wurde. Aus dieser technischen Lösung entwickelte sich über Jahrzehnte ein Geschäft, das LANXESS heute als eines der zentralen Felder seines Bereichs Inorganic Pigments beschreibt. Seit Produktionsbeginn seien in Krefeld-Uerdingen mehr als 15 Millionen Tonnen Eisenoxidpigmente hergestellt worden, eine Menge, die nach Unternehmensangaben rechnerisch für mehr als 200 Milliarden Liter Farbe ausreichen würde.

Synthetische Eisenoxidpigmente gelten vor allem deshalb als industriell relevant, weil sie farbstabil, witterungsbeständig und vergleichsweise vielseitig einsetzbar sind. Im Alltag fallen sie selten als eigenständiges Produkt auf, prägen aber die Farbe von Pflastersteinen, Dachziegeln, Fassaden, Asphaltflächen oder Kunststoffteilen. Genau darin liegt die wirtschaftliche Bedeutung dieser Spezialchemie: Sie ist kein sichtbares Endprodukt, sondern ein Grundstoff für Märkte, in denen Langlebigkeit, gleichbleibende Qualität und planbare Lieferfähigkeit entscheidend sind.

Der Wiederaufbau Europas machte Farbpigmente zu einem industriellen Massengeschäft

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Produktion von Eisenoxidpigmenten stark an Bedeutung, weil der Wiederaufbau Europas große Mengen an eingefärbten Baustoffen benötigte. Für Baustoffe und Chemieindustrie wurden Pigmente damit zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Baukonjunktur, industrieller Fertigung und Materialqualität. LANXESS verweist darauf, dass das Sortiment im Laufe der Zeit auf mehr als 100 Farbtöne ausgeweitet wurde. Die Marke Bayferrox gilt in der Branche als etablierter Name für synthetische Eisenoxidpigmente, während Colortherm stärker mit Anwendungen verbunden ist, bei denen Hitzebeständigkeit und technische Eigenschaften eine Rolle spielen.

Der Standort in Krefeld-Uerdingen blieb dabei nicht nur historischer Ausgangspunkt, sondern ein Knoten im globalen Produktionsnetzwerk. Mit einer jährlichen Kapazität von rund 300.000 Tonnen sieht sich LANXESS im Geschäft mit Eisenoxidpigmenten an der Weltspitze. Solche Größenordnungen sind für die Industrie relevant, weil Farb- und Materialhersteller auf gleichbleibende Qualitäten angewiesen sind. Für Kunden in Bau, Kunststoffverarbeitung, Lackindustrie oder Spezialanwendungen zählt weniger die Herkunftsgeschichte eines Pigments als die Frage, ob es zuverlässig, dauerhaft und in großen Mengen verfügbar ist.

Der Laux-Prozess zeigt, warum Kreislaufwirtschaft in der Chemie nicht neu ist

Besondere Bedeutung misst LANXESS dem sogenannten Laux-Prozess bei, der bis heute am Chempark Krefeld-Uerdingen eingesetzt wird. Dabei wird ein Nebenprodukt aus der Anilin-Produktion zu einem eigenständigen Pigment weiterverarbeitet. Was heute unter dem Begriff Kreislaufwirtschaft als strategisches Ziel vieler Industriezweige verhandelt wird, war in diesem Fall schon früh Teil eines chemischen Produktionsmodells. Das macht den Prozess für LANXESS nicht nur historisch, sondern auch klimapolitisch interessant.

Nach Darstellung des Unternehmens trägt dieses Verfahren dazu bei, den CO2-Fußabdruck der Pigmente vergleichsweise niedrig zu halten. Entscheidend ist dabei nicht allein der einzelne Prozessschritt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette von Rohstoffen über Energieeinsatz bis zur Logistik. In der Chemieindustrie wächst der Druck, Emissionen zu senken, ohne zugleich Versorgungssicherheit und Produktqualität zu gefährden. Die LANXESS Pigmente stehen deshalb exemplarisch für eine Branche, die bestehende Anlagen nicht einfach ersetzen kann, sondern schrittweise effizienter und emissionsärmer machen muss.

Neue Anwendungen verschieben die Bedeutung der Pigmente über den Bausektor hinaus

Obwohl der klassische Einsatz in Betonprodukten, Pflastersteinen, Dachsteinen und Fassaden weiterhin wichtig bleibt, rücken inzwischen weitere Anwendungen stärker in den Blick. LANXESS nennt unter anderem Kunstrasen, Airbags, Bremsbeläge und Katalysatoren für chemische Produktionsprozesse. Damit bewegen sich synthetische Eisenoxidpigmente zunehmend in Feldern, die höhere technische Anforderungen stellen als reine Farbgebung. Für die Unternehmen der Lieferkette wird dadurch wichtiger, ob Pigmente nicht nur optisch funktionieren, sondern auch in komplexeren Materialsystemen zuverlässig bleiben.

Ein strategisch besonders aufmerksam beobachteter Bereich ist die Elektromobilität. LANXESS arbeitet nach eigenen Angaben daran, Eisenoxidpigmente beziehungsweise entsprechende Vorstufenmaterialien für Batterien in Elektroautos nutzbar zu machen. Noch ist daraus kein Massenmarkt wie bei Baustoffen entstanden, doch die Richtung ist industriepolitisch relevant. Wenn Batterielieferketten stärker regionalisiert, diversifiziert und unabhängiger von einzelnen Rohstoffquellen werden sollen, können chemische Vorprodukte aus etablierten europäischen Standorten an Bedeutung gewinnen.

Für Krefeld ist der Standort ein Symbol industrieller Anpassungsfähigkeit

Für die Stadt Krefeld ist die Pigmentproduktion mehr als ein historisches Jubiläum. Der Chempark Krefeld-Uerdingen steht für industrielle Wertschöpfung, qualifizierte Arbeitsplätze und eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Oberbürgermeister Frank Meyer bezeichnete die dort hergestellten Pigmente als weltweit gefragt und verwies darauf, dass Industrieunternehmen vor Ort auch für Stadt und Bevölkerung wirtschaftliche Bedeutung hätten. Seine Aussage macht deutlich, wie eng kommunale Standortpolitik und industrielle Transformation miteinander verflochten sind.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel, wie ambivalent die Lage der Chemieindustrie in Deutschland ist. Einerseits verfügen Standorte wie Krefeld-Uerdingen über Erfahrung, Anlagenwissen und internationale Marktpositionen. Andererseits stehen sie unter Druck durch Energiepreise, strengere Klimaziele, globale Konkurrenz und die Notwendigkeit weiterer Investitionen. Die nächsten Jahre dürften deshalb weniger von Jubiläen geprägt sein als von der Frage, ob traditionsreiche Produktionsprozesse so weiterentwickelt werden können, dass sie im Wettbewerb bestehen und zugleich den Anforderungen einer klimafreundlicheren Industrie genügen.

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