Die Lufthansa Group und der IT-Dienstleister Amadeus wollen das Management von Flugreisen grundlegend vereinfachen. Kern der Partnerschaft ist eine neue Order ID, die mehrere bislang getrennte Nummern und Teilprozesse zusammenführen soll. Für die Branche ist das vor allem ein Signal, dass Airlines ihre Systeme stärker an Logiken aus dem Onlinehandel anlehnen.
Die Lufthansa Group Order ID soll nach Angaben der Unternehmen Buchung, Ticket und Zusatzleistungen unter einer Identifikationsnummer bündeln. Dazu würden neben dem eigentlichen Flug auch Sitzplatzreservierung, Gepäck und Services wie Upgrades oder Loungezugang gehören. In der Praxis heißt das, dass Reisende nicht mehr zwischen verschiedenen Referenzen und Masken springen müssen, wenn sie Leistungen ergänzen oder ändern wollen, sondern eine konsolidierte Übersicht erhalten sollen.
Für Lufthansa ist das auch ein Schritt weg von historisch gewachsenen Buchungssystemen, die Zusatzleistungen oft als separate Bausteine verwalten. Amadeus Buchungstechnologie soll helfen, diese Bausteine in einer einheitlichen Datenstruktur zu verknüpfen. Tamur Goudarzi Pour, Executive Vice President Strategy bei der Lufthansa Group, beschreibt das als strategische Weichenstellung: „Als der Vorreiter im modernen „Airline-Retailing“ freuen wir uns sehr über die Partnerschaft mit Amadeus, durch die wir die Entwicklung und Implementierung einer innovativen „Order“-Technologie vorantreiben und das Reiseerlebnis für unsere Kunden weiter verbessern“.
Die Order ID passt in den Branchenwechsel hin zu modularen Reiseprodukten
Hinter der Order ID Flugbuchung steckt mehr als ein neues Etikett, es geht um eine andere Art, Reiseleistungen zu verkaufen und zu verwalten. Airlines versuchen seit Jahren, stärker wie Händler aufzutreten, mit klaren Paketen, optionalen Extras und transparenten Leistungsumfängen. Eine gemeinsame Order ID kann diese Produktlogik technisch abbilden, weil sie einzelne Leistungen nicht mehr als lose Anhänge behandelt, sondern als Bestandteile eines Gesamtauftrags.
Für Lufthansa Reiseprozesse Europa ist das strategisch relevant, weil Standardisierung und Skalierbarkeit im Wettbewerb um preissensible und zugleich serviceorientierte Kundschaft an Bedeutung gewinnen. Wer Zusatzleistungen sauber integrieren kann, verdient nicht nur an Upgrades und Services, sondern reduziert auch Reibung in den eigenen Abläufen. Gleichzeitig wächst der Druck, solche Konzepte zügig umzusetzen, weil digitale Schnittstellen und vergleichbare Angebote die Erwartungshaltung an die Einfachheit von Buchungen erhöhen.
Bei Flugplanänderungen könnte die neue Logik Kundendienst und Kosten beeinflussen
Besonders spürbar soll die Order ID Flugbuchung in Situationen werden, in denen etwas schiefläuft, also bei Flugplanänderungen oder Unregelmäßigkeiten. Lufthansa und Amadeus stellen in Aussicht, dass Alternativen schneller angezeigt und Umbuchungen mit weniger Aufwand möglich werden. Das zielt nicht nur auf Komfort, sondern auch auf Effizienz, denn jeder Medienbruch kostet Zeit im Kundendienst und treibt die Betreuungskosten nach oben.
Wenn alle relevanten Informationen tatsächlich in einer Order zusammenlaufen, könnte das Störungsmanagement präziser werden, weil Leistungen und Optionen sofort sichtbar sind. Zugleich ist das Versprechen an eine Voraussetzung geknüpft: Die Systemintegration muss in den Alltagssystemen der Airlines stabil funktionieren, auch unter Last und in Ausnahmesituationen. Gerade dann zeigt sich, ob die gewünschte Transparenz im Kundenkontakt tatsächlich entsteht oder ob neue Abhängigkeiten und Fehlerquellen hinzukommen.
Der schrittweise Rollout ist pragmatisch, bleibt aber ein Integrationsprojekt mit Risiko
Die Einführung soll schrittweise bei mehreren Airlines der Gruppe erfolgen, die bestehende Travel ID als persönliches Kundenprofil bleibt laut Mitteilung daneben bestehen. Das deutet darauf hin, dass Lufthansa das Vorhaben eher als Umbau im laufenden Betrieb anlegt, nicht als radikalen Schnitt. Ein solcher Ansatz senkt das Risiko von Ausfällen, verlängert aber typischerweise die Übergangsphase, in der alte und neue Logik parallel existieren.
Für Amadeus Buchungstechnologie ist die Kooperation zugleich ein Prestigeprojekt und ein Geschäft mit langfristiger Bindung, weil Kernprozesse tief in die IT-Landschaft eingebettet werden. Für Lufthansa Group Order ID entscheidet sich daran, ob die neue Struktur nicht nur im Frontend gut aussieht, sondern in Betrieb, Datenqualität und Prozessen überzeugt. Gerade in Europa, wo große Airline-Gruppen komplexe Marken- und Systemlandschaften betreiben, ist der Umbau weniger eine App-Verbesserung als ein organisatorisches und technisches Langstreckenprojekt.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Lufthansa Group, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


