MVV Enamic baut Biomasse-Dampfanlage für Rubinmühle in Lahr

Die Rubinmühle will einen Teil ihres Erdgasverbrauchs durch Energie aus eigenen Produktionsresten ersetzen. MVV Enamic errichtet dafür am Standort Lahr eine Biomasse-Dampfanlage, die ab dem Frühjahr 2027 Prozesswärme für die Haferverarbeitung liefern soll.

Das Vorhaben verbindet Klimaschutz mit einer betriebswirtschaftlich naheliegenden Idee: Ein Reststoff, der ohnehin in großen Mengen anfällt, wird direkt am Werk energetisch genutzt. Die Rubinmühle verarbeitet nach eigenen Angaben in Lahr mehr als 100.000 Tonnen Getreide im Jahr, rund 30 Prozent der Masse entfallen auf Haferschalen. Künftig soll ein Teil davon in der neuen Anlage verbrannt werden, um bis zu fünf Tonnen Dampf pro Stunde zu erzeugen. Für die industrielle Energieversorgung ist das vor allem deshalb relevant, weil Prozesswärme in vielen Lebensmittelbetrieben bislang stark von Erdgas abhängt.

Die Haferschalen werden vom Nebenprodukt zum Energieträger

Die geplante Biomasse-Dampfanlage soll jährlich 24 Gigawattstunden Erdgas ersetzen. Nach Angaben der Unternehmen würden dadurch die fossilen Emissionen um 4.800 Tonnen CO2 pro Jahr sinken. Die Rechnung beruht darauf, dass nachwachsende Reststoffe anstelle eines fossilen Brennstoffs eingesetzt werden. Vollständig emissionsfrei ist die Lösung dennoch nicht, denn auch Verbrennung, Aufbereitung und Anlagenbetrieb verursachen Aufwand.

Für die Rubinmühle liegt der Vorteil nicht allein in der CO2-Reduktion. Weil die Haferschalen am Standort Lahr entstehen, verkürzt sich zugleich ein Teil der Lieferkette für die Energieversorgung. Rund 500 Lkw-Fahrten pro Jahr sollen entfallen, weil weniger Reststoffe abtransportiert werden müssen. Damit adressiert das Projekt neben den Energiekosten auch Verkehr, Logistik und die Belastung des örtlichen Umfelds.

Das Contracting-Modell verlagert Investition und Betriebsrisiken

MVV Enamic übernimmt Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb der Anlage auf Grundlage eines langfristigen Energieliefervertrags. Für die Rubinmühle bedeutet dieses Energie-Contracting, dass sie den benötigten Dampf bezieht, ohne die Technik vollständig in eigener Regie betreiben zu müssen. Solche Modelle können Investitionshürden senken, binden den Industriekunden aber über viele Jahre an einen Dienstleister und an vertraglich festgelegte Konditionen.

Strategisch zeigt das Projekt, wie sich die industrielle Energieversorgung schrittweise von fossilen Brennstoffen lösen lässt, ohne die gesamte Produktion neu aufzubauen. Die alte Dampferzeugung wurde bereits demontiert, mit dem Spatenstich beginnt nun die Bauphase. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Entscheidend wird sein, ob Zeitplan, Brennstoffqualität und Verfügbarkeit der Haferschalen im laufenden Betrieb zuverlässig zusammenpassen.

Staatliche Förderung macht die Umstellung wirtschaftlich leichter

Das Bundesprogramm für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft trägt 20 Prozent der Projektkosten. Die EEW-Förderung unterstreicht, dass der Staat nicht nur neue Stromerzeugung unterstützt, sondern auch die Umstellung industrieller Wärmeprozesse. Gerade dort gelten fossile Brennstoffe als schwerer zu ersetzen, weil Betriebe kontinuierlich hohe Temperaturen und verlässliche Dampfleistungen benötigen.

Für den Wettbewerb in der Lebensmittelindustrie kann eine solche Investition doppelt wirken. Sie reduziert die Abhängigkeit vom Erdgaspreis und kann zugleich helfen, steigende Anforderungen an klimafreundlichere Lieferketten zu erfüllen. Ob daraus ein Kostenvorteil entsteht, hängt allerdings von Baukosten, Wartung, Vertragsgestaltung und der langfristigen Verfügbarkeit geeigneter Reststoffe ab.

Das Projekt kann als Modell für andere Lebensmittelbetriebe dienen

Die Lösung ist besonders dort plausibel, wo große Mengen homogener biogener Reststoffe direkt an einem Produktionsstandort anfallen. Sie lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jeden Industriebetrieb übertragen. Für Mühlen, Brauereien oder andere Lebensmittelhersteller mit ähnlichen Nebenströmen kann das Konzept jedoch zeigen, wie Abfälle, Wärmeversorgung und Logistik gemeinsam gedacht werden können.

Für den Energiedienstleister stärkt das Projekt das Geschäft mit langfristigen Versorgungsverträgen. Für die Rubinmühle ist es vor allem eine Standortentscheidung, die Versorgungssicherheit und Klimaziele enger miteinander verknüpfen soll. Der Erfolg dürfte sich weniger am symbolischen Spatenstich messen lassen als an der Frage, ob die Anlage ab 2027 stabil läuft und die angekündigten Einsparungen dauerhaft erreicht.

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