Supermarktparkplätze werden für die Elektromobilität zunehmend zu strategischen Flächen. Dass MVV Energie nun bis zu 25 PENNY-Standorte in Südwestdeutschland mit Ladeinfrastruktur ausstatten will, zeigt, wie sich der Ausbau vom Einzelprojekt zum verteilten Versorgungsnetz verschiebt. Die erste Schnellladestation in Mannheim markiert dabei weniger einen symbolischen Auftakt als den Einstieg in eine größere Standortstrategie.
Mit der Inbetriebnahme am PENNY-Markt in Mannheim-Jungbusch beginnt ein Projekt, das auf Sicht deutlich über einen einzelnen Ladepunkt hinausreicht. MVV Energie sei seit 2025 Elektromobilitäts-Partner der REWE Group und übernehme im Rahmen dieser Partnerschaft Bau und Betrieb der Anlagen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Vorgesehen seien im südwestdeutschen Raum bis zu 25 Standorte mit unterschiedlichen Ladeleistungen. Das Spektrum reiche, abhängig von den örtlichen Netzkapazitäten, von 50 Kilowatt bis zu 300 Kilowatt im High-Power-Charging-Bereich. Für Kundinnen und Kunden heißt das vor allem, dass das Laden während des Einkaufs stärker in den Alltag integriert werden soll. Für den Handel bedeutet es, dass Parkflächen nicht mehr nur Nebensache sind, sondern Teil der Energie- und Mobilitätsinfrastruktur werden.
Der Einzelhandel wird für die Ladeinfrastruktur zu einem entscheidenden Alltagsort
Dass gerade PENNY-Filialen in den Fokus rücken, ist kein Zufall. Lebensmittelmärkte verfügen über gut erreichbare Standorte, regelmäßige Kundenfrequenz und Aufenthaltszeiten, die sich für das Schnellladen besonders gut eignen. Die Logik dahinter ist einfach: Wer ohnehin einkauft, akzeptiert Ladezeiten eher als an eigens angefahrenen Ladeparks. Damit verschiebt sich die Elektromobilität Einzelhandel ein Stück weit aus der Nische technikaffiner Frühadopter in den Alltag breiterer Kundengruppen.
Zugleich verfolgt die REWE Group nach eigener Darstellung seit Jahren das Ziel, ihr Filialnetz systematisch mit Lademöglichkeiten auszustatten und bis 2030 an rund 1.000 Standorten entsprechende Angebote zu schaffen. Die Kooperation mit regionalen Partnern wie MVV Energie deutet darauf hin, dass der Konzern nicht auf ein einziges bundesweites Modell setzt, sondern den Ausbau regional differenziert organisiert. Für MVV ist das strategisch interessant, weil das Unternehmen so seine Rolle über die klassische Energieversorgung hinaus auf öffentlich sichtbare Mobilitätsdienste ausweiten kann.
Der Netzausbau entscheidet darüber, wie schnell aus Ankündigungen ein belastbares Ladenetz wird
Ob aus den geplanten Schnellladestationen PENNY tatsächlich ein flächendeckender Nutzen entsteht, hängt allerdings nicht allein von den Säulen ab. MVV verweist darauf, dass sich mehrere Standorte bereits in der Netzausbauphase befänden und damit zunächst die technischen Voraussetzungen geschaffen würden. Genau darin liegt einer der zentralen Punkte vieler Ladeprojekte: Nicht die Hardware ist der Engpass, sondern der Anschluss an ein belastbares Stromnetz. Dass bereits Freigaben für weitere Projekte in Städten wie Achern, Darmstadt, Kaiserslautern und Nußloch vorliegen, zeigt zwar Fortschritt, ersetzt aber nicht die oftmals langwierige technische Umsetzung vor Ort.
Für Verbraucher ist der Unterschied zwischen 50, 150 oder 300 Kilowatt Ladeleistung durchaus relevant, auch wenn die Zahlen oft abstrakt wirken. Vereinfacht gesagt bestimmt die Ladeleistung, wie schnell ein Fahrzeug während eines kurzen Einkaufs spürbar Reichweite nachladen kann. HPC-Laden mit bis zu 300 Kilowatt eignet sich vor allem für Fahrzeuge, die hohe Leistungen überhaupt aufnehmen können. In der Praxis dürfte deshalb nicht jeder Standort dieselbe Funktion erfüllen. Manche Anlagen werden eher Versorgungspunkte im Alltag sein, andere eher schnelle Zwischenstopps auf stärker frequentierten Routen.
Das GEIG erhöht den Druck auf Filialbetreiber, Ladepunkte nicht länger aufzuschieben
Hinzu kommt der regulatorische Rahmen. Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz verpflichtet bei bestehenden Nichtwohngebäuden mit mehr als 20 Stellplätzen grundsätzlich dazu, mindestens einen Ladepunkt bereitzustellen. Für Handelsunternehmen ist Ladeinfrastruktur damit nicht mehr nur Imagefrage, sondern zunehmend Teil der gesetzlichen und operativen Standortplanung. Die Zusammenarbeit von MVV Energie und PENNY lässt sich deshalb auch als Antwort auf einen wachsenden Anpassungsdruck lesen.
Bemerkenswert ist dabei, dass PENNY den regionalen Ansatz ausdrücklich hervorhebt. „Dabei möchten wir bewusst auch regionale E-Mobilitäts-Anbieter unterstützen und ihnen die Möglichkeit bieten, in unserem Filialnetz präsent zu sein“, sagte Stephanie Geier, Projektmanagerin Filialportfolio Expansion Region Südwest der PENNY Markt GmbH. Das verweist auf einen Wettbewerb, der sich nicht nur zwischen Ladeanbietern abspielt, sondern auch zwischen verschiedenen Ausbaukonzepten. Wer sich früh attraktive Filialstandorte sichert, gewinnt Sichtbarkeit, Nutzungsdaten und womöglich dauerhafte Kundenzugänge. Genau deshalb ist der Ladeausbau in Südwestdeutschland mehr als ein regionales Infrastrukturprojekt. Er steht exemplarisch für die Frage, wie sich die nächste Phase der Elektromobilität organisiert: nah am Alltag, verteilt über viele Standorte und enger verzahnt mit dem Einzelhandel als bisher.


