Die Unternehmen der Schwarz Gruppe stellen ihre Klima- und Ressourcenpolitik stärker in den Dienst des Risikomanagements. Der neue Nachhaltigkeitsbericht zeigt Fortschritte bei eigener Energie, Emissionen und Recycling, lässt aber bei der externen Bewertung wichtige Details offen.
Die Nachhaltigkeit der Schwarz Gruppe soll nicht mehr nur ökologische Ziele erfüllen, sondern die Geschäftsmodelle gegen Energiepreissprünge, Rohstoffknappheit und geopolitische Unsicherheit absichern. Der Konzernverbund aus Handel, Eigenproduktion, Digitalisierung und Recycling verbindet seine Umweltziele deshalb mit dem unternehmensweiten Risikomanagement. Diese Logik ist für einen Handelskonzern plausibel, weil Störungen bei Strom, Verpackungen oder Lieferketten unmittelbar auf Kosten, Produktion und Warenverfügbarkeit durchschlagen. Zugleich stammen die veröffentlichten Kennzahlen aus dem eigenen Bericht und sollten daher als Fortschrittsbilanz des Unternehmens gelesen werden, nicht als abschließender Nachweis für die Wirksamkeit aller Maßnahmen.
Das ESG-Rating stärkt die Argumentation, ersetzt aber keine Transparenz
Ein jährlich eingeholtes ESG-Rating soll nach Angaben der Unternehmen bestätigen, dass ökologische und soziale Ziele in die wirtschaftliche Steuerung einfließen. ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und soll Risiken erfassen, die in klassischen Finanzkennzahlen nur unvollständig sichtbar werden. Welche Ratingagentur bewertet hat, welche Skala gilt und wie sich das Ergebnis im Branchenvergleich einordnet, nennt die Mitteilung jedoch nicht. Ohne diese Angaben bleibt die Aussagekraft begrenzt, denn ein externes Urteil ist nur dann belastbar, wenn Methode und Maßstab nachvollziehbar sind. Der Bericht zeigt damit zwar, dass Nachhaltigkeitsrisiken systematisch erfasst werden sollen, liefert aber keine vollständige Grundlage für einen unabhängigen Vergleich.
Die wirtschaftliche Dimension wird vor allem über die Beschäftigung hervorgehoben. Rund 604.000 Menschen arbeiteten zuletzt in den Unternehmen des Verbunds, im Geschäftsjahr 2025 seien weltweit 9.000 Stellen hinzugekommen. Die Beschäftigung in Deutschland wuchs nach Konzernangaben um 5.000 Arbeitsplätze. Für die Beschäftigung in Deutschland ist das in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit ein beachtliches Signal, auch wenn der Bericht keine Angaben dazu macht, in welchen Sparten, Regionen oder Vertragsformen die neuen Stellen entstanden. Die genannten Neueinstellungen belegen daher zunächst die Größe des Personalbedarfs, nicht automatisch ein entsprechendes Nettowachstum.
Eigener Solarstrom soll die Abhängigkeit von Energiemärkten verringern
Bei der Energieversorgung setzt der Konzern stärker auf eigene Erzeugung aus erneuerbaren Quellen. Die produzierte Solarstrommenge stieg 2025 nach Unternehmensangaben um 28 Prozent auf mehr als 473.000 Megawattstunden, rechnerisch so viel wie der durchschnittliche Jahresverbrauch von über 136.000 Haushalten. Für Filialen, Logistikzentren und Produktionsstandorte kann eigener Strom Preisschwankungen abfedern und die Planbarkeit verbessern. Die absolute Menge lässt sich wegen der Größe des Konzerns dennoch nur eingeschränkt bewerten. Entscheidend wäre, welchen Anteil der Solarstrom am gesamten Energiebedarf deckt. Der Ausbau der Energiesouveränität ist deshalb strategisch relevant, seine tatsächliche Reichweite bleibt ohne Verbrauchsdaten aber schwer zu beurteilen.
Bei den direkt verursachten Emissionen und der eingekauften Energie, den sogenannten Scope-1- und Scope-2-Emissionen, meldet der Konzern einen Rückgang um 44,1 Prozent gegenüber 2019. Scope 1 umfasst etwa Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen, Scope 2 die Emissionen aus bezogener Energie. Bis 2030 sollen beide Kategorien zusammen um 48 Prozent sinken, womit der bisherige Rückgang nahe an das kurzfristige Ziel heranreicht. Der erstmals veröffentlichte Klimatransitionsplan bis 2050 soll festlegen, welche Geschäftsprozesse angepasst werden und welche Hebel zum Netto-Null-Ziel beitragen. Damit erhält die Klimapolitik einen verbindlicheren strategischen Rahmen, doch entscheidend wird sein, ob der Klimatransitionsplan bis 2050 künftig auch Zwischenziele, Investitionsbedarf und Fortschritte entlang der gesamten Wertschöpfungskette offenlegt.
Kreislaufwirtschaft wird vom Verpackungsziel zur Rohstoffstrategie
Auch bei Verpackungen verschiebt sich der Schwerpunkt von einzelnen Plastikzielen zu einer breiteren Materialstrategie. Bis Ende 2025 sei der Plastikeinsatz gegenüber 2017 um 35,7 Prozent reduziert worden, während der Anteil von Rezyklat bei 26,1 Prozent und die Recyclingfähigkeit von Eigenmarkenverpackungen aus Kunststoff bei 67,3 Prozent gelegen habe. Rezyklat bezeichnet wiederverwertetes Material, das neues Plastik teilweise ersetzt. Recyclingfähigkeit bedeutet dagegen zunächst nur, dass eine Verpackung technisch verwertet werden kann, nicht dass sie tatsächlich gesammelt und zu neuem Material verarbeitet wird. Für die Kreislaufwirtschaft im Handel ist daher nicht nur die Verpackungsgestaltung entscheidend, sondern auch, ob ausreichend sortenreines Material gesammelt, aufbereitet und erneut eingesetzt werden kann.
Mit der Strategie „REset Resources“ sollen die Vorgaben bis 2030 auf sämtliche Verpackungsmaterialien ausgeweitet werden. Das ist strategisch sinnvoll, weil sich Rohstoffrisiken nicht auf Kunststoff beschränken und Ausweichbewegungen zu anderen Materialien neue Zielkonflikte schaffen können. Zudem seien 90,1 Prozent der innerbetrieblichen Abfälle wiederverwendet, recycelt, kompostiert oder vergoren worden, bis 2030 sind 95 Prozent vorgesehen. Reine Müllverbrennung zählt das Unternehmen dabei nicht als Verwertung, bestimmte Abfälle aus eigenen Anlagen und dem Bau bleiben ebenfalls außen vor. Die Kreislaufwirtschaft im Handel wird damit zu einem Baustein der Ressourcensouveränität, weil weniger Primärmaterial benötigt wird und Abhängigkeiten in der Beschaffung sinken können.
Der Klimakurs gewinnt an strategischer Bedeutung, bleibt aber prüfungsbedürftig
Das Netto-Null-Ziel bis 2050 wurde nach Angaben der Gruppe von der Science Based Targets initiative validiert. Gemeint ist, dass die geplante Emissionsminderung an wissenschaftlich abgeleiteten Klimapfaden ausgerichtet werden soll und unvermeidbare Restemissionen später durch Entnahme von Kohlendioxid ausgeglichen werden. Die Nachhaltigkeit der Schwarz Gruppe erhält dadurch mehr Verbindlichkeit als eine bloße Absichtserklärung. Die Validierung sagt allerdings noch nicht, ob alle vorgesehenen Maßnahmen rechtzeitig umgesetzt werden und welche Kosten dabei entstehen. Ob daraus ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil entsteht, hängt deshalb davon ab, wie transparent der Konzern künftig über Gesamtemissionen, Investitionen, Zielkonflikte und Rückschläge berichtet.


