Die Nordex Group hat ihre englischsprachigen Sustainability Facts 2025 veröffentlicht und bündelt darin zentrale Daten zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Für die Windenergiebranche ist die Broschüre vor allem deshalb relevant, weil sie Nachhaltigkeit nicht nur als Berichtspflicht behandelt, sondern stärker mit Marktposition, Regulierung und künftiger Wettbewerbsfähigkeit verbindet.
Die Veröffentlichung fällt in eine Phase, in der Onshore-Windenergie weltweit weiter als kostengünstiger Baustein der Energiewende gilt. Nordex verweist in der Broschüre darauf, dass die eigene Turbinenflotte 2025 eine Leistung von mehr als 65 Gigawatt überschritten habe und rechnerisch mehr als 92 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden worden seien. Zudem hatte der Konzern Anfang 2026 seine zweite CSRD-konforme Nachhaltigkeitserklärung vorgelegt, was die Anforderungen an Transparenz und Vergleichbarkeit deutlich erhöht.
Damit ist die Broschüre mehr als eine verkürzte Fassung des Nachhaltigkeitskapitels. Sie richtet sich an Investoren, Kunden und Geschäftspartner, die ESG-Kennzahlen schneller erfassen wollen, ohne den gesamten integrierten Geschäftsbericht auswerten zu müssen. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Windturbinen für den Onshore-Markt ausgerichtet ist, wird diese Verdichtung strategisch wichtig. Nachhaltigkeitsdaten dienen zunehmend auch als Nachweis gegenüber Finanzmarkt, Lieferkette und öffentlichen Auftraggebern.
Nordex verknüpft Klimanutzen stärker mit industrieller Leistungsfähigkeit
Im Zentrum der Sustainability Facts 2025 steht der Beitrag der Nordex Group zur Dekarbonisierung. Onshore-Windenergie wird dabei als Technologie dargestellt, die nicht nur Strom ohne direkte Emissionen erzeugt, sondern auch Energiesicherheit und Preisstabilität unterstützen kann. Der integrierte Geschäftsbericht verweist darauf, dass Windenergie dank technologischer Fortschritte in vielen Märkten auch ohne direkte Fördermittel wettbewerbsfähig sei und häufig über Auktionen oder Stromabnahmeverträge vergeben werde.
Gleichzeitig zeigt die Veröffentlichung, dass Klimanutzen allein nicht mehr ausreicht. Nordex muss erklären, wie Wasserverbrauch, Materialeinsatz, Abfall, Biodiversität und Arbeitssicherheit gemessen und gesteuert werden. In der Broschüre nennt das Unternehmen unter anderem eine um vier Prozent gesunkene Wasserentnahme je installierter Leistung sowie eine um 18 Prozent reduzierte Abfallmenge je installierter Leistung gegenüber dem Vorjahr. Zugleich fand ein großer Teil der Wasserentnahme in Regionen mit hohem oder extrem hohem Wasserstress statt, was die Ambivalenz industrieller Nachhaltigkeit sichtbar macht.
Nachhaltigkeitsratings werden für Nordex zum Signal an Kapitalmarkt und Kunden
Auffällig ist, wie stark die Sustainability Facts 2025 externe Bewertungen hervorheben. Nordex verweist unter anderem auf eine EcoVadis-Platinmedaille, Platzierungen bei Corporate Knights sowie einen ESG Transparency Award. Solche Auszeichnungen ersetzen keine eigene Prüfung der Daten, sie erfüllen aber eine erkennbare Funktion im Markt. Sie erleichtern Dritten die erste Einschätzung, ob ein Unternehmen Nachhaltigkeitsmanagement systematisch betreibt oder lediglich Berichtspflichten erfüllt.
Für die Windenergiebranche ist das besonders relevant, weil Projektentwickler, Versorger und Investoren zunehmend auf dokumentierte ESG-Prozesse achten. Nordex legt zudem Angaben zur EU-Taxonomie vor und ordnet umsatzrelevante Tätigkeiten unter anderem der Herstellung erneuerbarer Energietechnologien und der Stromerzeugung aus Windkraft zu. In der Broschüre werden für Umsatz, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben jeweils hohe Taxonomie-Quoten genannt, was die Nähe des Geschäftsmodells zu europäischen Klimazielen unterstreicht.
Die neue Nachhaltigkeitsstrategie soll Berichtspflichten und Geschäftsstrategie enger verbinden
Ein wesentlicher Punkt der Veröffentlichung ist der Übergang von der Nachhaltigkeitsstrategie 2021 bis 2025 zu einem neuen strategischen Rahmen. Nach Darstellung des Unternehmens sei die bisherige Strategie abgeschlossen worden und habe Governance, Transparenz und Integration im Konzern gestärkt. Die neue Nachhaltigkeitsstrategie 2025 soll nun stärker an Unternehmensstrategie, Regulierung und Erwartungen der Stakeholder ausgerichtet werden.
Diese Verschiebung zeigt, dass Nachhaltigkeit bei Nordex weniger als separates Kommunikationsfeld erscheint als früher. Sie wird stärker Teil der industriellen Steuerung, etwa bei Ressourcenverbrauch, Lieferketten, Arbeitssicherheit und regulatorischer Berichterstattung. Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob aus den formulierten Zielen messbare Fortschritte werden. Für Kunden und Projektpartner zählt vor allem, ob die Daten über Produkte, Klimabilanz und Governance belastbar genug sind, um eigene Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen.
Der Markt für Onshore-Windenergie bleibt wachstumsstark, aber politisch sensibel
Die strategische Bedeutung der Broschüre wird auch durch den Marktausblick im Geschäftsbericht gestützt. Dort verweist Nordex auf Prognosen, nach denen der jährliche Zubau von Onshore-Windkraftanlagen außerhalb Chinas langfristig deutlich steigen könnte. Für 2028 werden demnach weltweit ohne China mehr als 65 Gigawatt neue Onshore-Installationen erwartet, während Europa ein bedeutender Markt bleiben soll.
Für die Nordex Group entsteht daraus eine doppelte Erwartung. Einerseits profitiert das Unternehmen von der strukturellen Nachfrage nach erneuerbarer Energie, Repowering und kosteneffizienten Windprojekten. Andererseits steigen die Anforderungen an Nachweise zu Umweltwirkung, sozialer Verantwortung und Unternehmensführung. Die Sustainability Facts 2025 liefern dafür eine komprimierte Grundlage, doch ihre eigentliche Relevanz wird sich daran zeigen, wie konsequent Nordex die neue Nachhaltigkeitsstrategie in Produktion, Service und internationale Projektabwicklung überträgt.


