Regine Sixt ist in München mit dem Automobilwoche Leadership Award ausgezeichnet worden. Die Ehrung rückt nicht nur eine Unternehmerpersönlichkeit in den Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Art von Führung die globale Mobilitätsbranche in einer Phase tiefgreifender Veränderungen braucht.
Die Auszeichnung wurde beim Women’s Leadership Day 2026 vergeben, einem Branchentreffen, das nach Angaben der Veranstalter jährlich rund 200 weibliche Führungskräfte aus der deutschen Automobilindustrie zusammenbringt. Dass der Kongress in diesem Jahr unter dem Leitthema stand, wie Führung in Zeiten des Umbruchs funktioniere, gibt der Ehrung einen breiteren Rahmen. Denn die Branche ringt nicht nur mit Elektromobilität, Digitalisierung und neuen Nutzungsmodellen, sondern auch mit der Frage, wie Führung weniger hierarchisch und stärker gesellschaftlich anschlussfähig werden kann.
Der Automobilwoche Leadership Award wird von der Redaktion der Automobilwoche an Persönlichkeiten vergeben, denen sie besondere unternehmerische Wirkung zuschreibt. Im Fall von Regine Sixt begründeten die Laudatoren die Entscheidung vor allem mit ihrer langjährigen Rolle im internationalen Marketing von SIXT und mit ihrem Engagement außerhalb des Unternehmens. Die Ehrung ist damit auch ein Hinweis darauf, dass Markenführung in der Mobilitätsbranche nicht mehr allein über Produkte, Flotten oder Preise definiert wird, sondern zunehmend über Haltung, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Glaubwürdigkeit.
Markenführung wird in der Mobilitätsbranche zu einem strategischen Machtfaktor
Sixt hat sich von einem bayerischen Autovermieter zu einem international wahrgenommenen Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen entwickelt. Der Sitz in Pullach bei München verweist zwar weiterhin auf die regionale Herkunft des Unternehmens, doch das Geschäftsmodell ist längst global ausgerichtet. Mit Angeboten wie Autovermietung, Carsharing, Fahrdiensten und Auto-Abos versucht der Konzern, unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse in einer digitalen Plattformlogik zu bündeln.
Gerade darin liegt die strategische Bedeutung der Markenarbeit, die der Automobilwoche Leadership Award hervorhebt. In einem Markt, in dem Mobilität immer stärker über Apps, flexible Nutzung und integrierte Services organisiert wird, zählt Wiedererkennbarkeit ebenso wie operative Leistungsfähigkeit. Die SIXT App steht beispielhaft für diese Verschiebung, weil sie nicht nur Buchungskanal ist, sondern Teil eines umfassenderen Versprechens von Verfügbarkeit, Service und Premium-Mobilität.
Für die globale Mobilitätsbranche ist diese Entwicklung relevant, weil klassische Grenzen zwischen Autovermietung, Abo-Modellen und digitalen Vermittlungsdiensten zunehmend verschwimmen. Unternehmen müssen Kunden nicht mehr nur für einzelne Anmietungen gewinnen, sondern dauerhaft an Ökosysteme binden. Programme zur Kundenbindung wie SIXT ONE passen in diese Logik, weil sie Loyalität über digitale Services, Vorteile und wiederholte Nutzung organisieren sollen.
Die Auszeichnung macht weibliche Führung in einer männlich geprägten Branche sichtbarer
Die Automobilindustrie gilt trotz vieler Initiativen weiterhin als Branche, in der Spitzenpositionen häufig männlich besetzt sind. Vor diesem Hintergrund erhält eine Veranstaltung wie der Women’s Leadership Day eine zusätzliche Bedeutung, auch wenn sie die strukturellen Probleme der Branche nicht allein lösen kann. Sie schafft Sichtbarkeit für Frauen in Führung und setzt ein Signal, dass unternehmerische Leistung nicht nur an Produktionszahlen oder Marktanteilen gemessen werden sollte.
Regine Sixt wurde in den Laudationes als prägende Figur beschrieben, die das Unternehmen über Jahrzehnte mitgestaltet habe. Dabei ging es weniger um eine technische Produktinnovation als um die Verbindung aus Markenaufbau, öffentlicher Präsenz und konsequenter Positionierung. Ihre eigene Dankesrede stellte den Begriff Qualität in den Mittelpunkt, etwa mit dem Satz: „Wir verändern Unternehmen von innen heraus, durch Qualität!“
Diese Aussage lässt sich auch als Gegenentwurf zu einer reinen Wachstumsrhetorik lesen. In einer Branche, die stark von Skalierung, Internationalisierung und Effizienzdruck geprägt ist, verweist sie auf interne Maßstäbe wie Service, Kultur und Führungsverhalten. Genau hier gewinnt Unternehmenskultur an Bedeutung, weil sie entscheidet, ob eine Marke nach außen glaubwürdig bleibt und nach innen tragfähig funktioniert.
Der Standort Pullach bei München steht für Herkunft und internationale Ambition zugleich
Sixt SE ist in mehr als 100 Ländern präsent und gehört damit zu den sichtbarsten deutschen Marken im internationalen Mobilitätsgeschäft. Gleichzeitig bleibt Pullach bei München ein wichtiger Bezugspunkt für die Unternehmensgeschichte. Diese Spannung zwischen regionaler Herkunft und globaler Reichweite prägt viele deutsche Mittelstands- und Familienunternehmen, die sich über Jahrzehnte zu börsennotierten Konzernen entwickelt haben.
Auch die Finanzkennzahlen aus der Mitteilung zeigen, dass es bei der Ehrung nicht nur um Symbolik geht. Für das Jahr 2025 nennt das Unternehmen einen Konzerngewinn vor Steuern von 400,5 Millionen Euro und einen Konzernumsatz von 4,28 Milliarden Euro. Die Notierung an der Frankfurter Börse seit 1986 macht zugleich deutlich, dass SIXT längst nicht mehr nur als Familienunternehmen wahrgenommen wird, sondern auch den Erwartungen des Kapitalmarkts ausgesetzt ist.
Für den Wettbewerb ist das relevant, weil Mobilitätsanbieter heute in mehreren Arenen gleichzeitig bestehen müssen. Sie konkurrieren mit klassischen Autovermietern, digitalen Plattformen, Autoherstellern mit eigenen Mobilitätsdiensten und neuen Abo-Modellen. Der Standort Pullach bei München steht damit nicht nur für Tradition, sondern auch für die Herausforderung, ein gewachsenes Geschäftsmodell dauerhaft an veränderte Nutzungsgewohnheiten anzupassen.
Gesellschaftliches Engagement wird für Unternehmensmarken zunehmend Teil der Bewertung
Neben der Rolle bei SIXT wurde in der Preisvergabe auch das soziale Engagement der Managerin hervorgehoben. Die Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung TRÄNCHEN TROCKNEN wird in der Mitteilung als langjähriges Projekt zugunsten von Kindern in Not beschrieben. Solche Initiativen sind für Unternehmenspersönlichkeiten reputationsprägend, weil wirtschaftliche Führung heute stärker als früher mit gesellschaftlicher Verantwortung verknüpft wird.
Gleichzeitig bleibt eine journalistische Einordnung wichtig, weil Auszeichnungen dieser Art immer auch Teil öffentlicher Selbstvergewisserung einer Branche sind. Sie zeigen, welche Werte ein Wirtschaftszweig betonen möchte und welche Persönlichkeiten als Vorbilder gelten sollen. Im Fall des Automobilwoche Leadership Award geht es daher nicht nur um eine individuelle Ehrung, sondern um das Bild von Führung, das die Branche in einer unsicheren Phase nach außen vermitteln will.
Langfristig dürfte diese Debatte an Bedeutung gewinnen. Mobilitätsunternehmen stehen unter Druck, ihre Geschäftsmodelle digitaler, effizienter und gesellschaftlich akzeptierter zu machen. Wer in diesem Umfeld Führung sichtbar macht, spricht deshalb immer auch über Vertrauen, Anpassungsfähigkeit und die Frage, wie wirtschaftlicher Erfolg mit Verantwortung verbunden werden kann.


