RTL Deutschland bringt Streaming über die Edeka-App in den Alltag

RTL Deutschland und Edeka verbinden den Lebensmitteleinkauf mit einem Streaming-Angebot. Über die Edeka-App erhalten Kundinnen und Kunden Zugang zu RTL+ Basic, zunächst kostenlos und anschließend zu einem reduzierten Preis. Die Kooperation zeigt, wie sich der Streaming-Markt Deutschland zunehmend neue Vertriebswege außerhalb klassischer Medienplattformen erschließt.

RTL Deutschland sucht für RTL+ stärker den direkten Kontakt zu Menschen, die den Dienst bislang nicht aktiv abonnieren. Edeka wiederum erweitert die Edeka-App um einen zusätzlichen Nutzen, der über digitale Coupons und Einkaufsfunktionen hinausgeht. Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Handelsunternehmen wollen ihre Apps häufiger in den Alltag ihrer Kundschaft bringen, während Streaming-Anbieter angesichts eines härteren Wettbewerbs nach zusätzlichen Kontaktpunkten suchen. Die Partnerschaft ist deshalb weniger als reine Rabattaktion zu verstehen, sondern als Versuch, Einkauf, digitale Nutzung und Abo-Vertrieb enger miteinander zu verknüpfen.

Der Supermarkt wird für Streaming-Anbieter zu einem neuen Zugangskanal

Das Modell setzt an einem regelmäßigen Verhalten an, dem Lebensmitteleinkauf. Wer in der Edeka-App registriert ist und ab einem Einkaufswert von 25 Euro einkauft, kann RTL+ Basic für einen Monat ohne Zusatzkosten nutzen. Danach soll der Tarif bei einem monatlichen Einkauf von mindestens einem Euro dauerhaft zum halben Preis verfügbar bleiben. In bestimmten Aktionsphasen könne der Preisnachlass nach Angaben der Unternehmen sogar noch höher ausfallen.

Für RTL Deutschland ist das strategisch interessant, weil der Dienst dort sichtbar wird, wo Konsumentscheidungen sehr häufig stattfinden. Anders als bei einer klassischen Werbekampagne wird die Marke nicht nur beworben, sondern direkt mit einem konkreten Vorteil verbunden. Im Streaming-Markt Deutschland, in dem viele Haushalte bereits mehrere Abonnements prüfen oder neu gewichten, kann ein solcher Einstieg über Alltagsroutinen helfen, Hemmschwellen zu senken. RTL+ Basic wird damit als leicht zugängliches Zusatzangebot positioniert und nicht allein als Medienprodukt, das aktiv gesucht werden muss.

Die Edeka-App erhält eine größere Rolle im Wettbewerb um digitale Kundenbeziehungen

Für Edeka liegt der Nutzen vor allem in der Aufwertung der eigenen App. Der Lebensmittelhandel arbeitet seit Jahren daran, Kundenkontakte stärker digital zu steuern, etwa über Coupons, personalisierte Angebote oder mobile Bezahl- und Informationsfunktionen. Mit der Integration eines Streaming-Vorteils wird die Edeka-App nun stärker als digitale Plattform inszeniert, die regelmäßig genutzt werden soll und nicht nur punktuell beim Bezahlen.

Diese Logik passt zu einem Markt, in dem Handelsunternehmen ihre Kundenbindung zunehmend über eigene digitale Ökosysteme organisieren. Wer die App häufiger öffnet, liefert zugleich mehr Hinweise auf Nutzungsinteressen, Einkaufsrhythmen und Angebotsreaktionen, auch wenn die Mitteilung dazu keine Details nennt. Das Rabattmodell auf RTL+ Basic ist deshalb auch als Instrument zu lesen, mit dem Edeka die Attraktivität des eigenen App-Angebots erhöhen möchte. Für Verbraucherinnen und Verbraucher entsteht ein sichtbarer Preisvorteil, für den Händler ein zusätzlicher Grund, die App dauerhaft im Einkaufsprozess zu verankern.

Die Partnerschaft verbindet Reichweite im Handel mit Reichweite im Medienmarkt

Die Größenordnung der Kooperation erklärt, weshalb sie für beide Seiten relevant ist. Edeka verweist auf rund 6.400 Märkte und mehrere Millionen tägliche Kundenkontakte. RTL Deutschland bringt nach eigenen Angaben mehr als sieben Millionen Abonnentinnen und Abonnenten bei RTL+ ein. In der Verbindung dieser Reichweiten liegt der eigentliche wirtschaftliche Kern der Zusammenarbeit.

Der Handel kann Unterhaltungsangebote als Zusatznutzen einsetzen, während Medienunternehmen von einer Präsenz profitieren, die weit über klassische Werbeplätze hinausgeht. Die begleitende Kampagne über TV, soziale Medien, digitale Flächen, Handzettel und Bildschirme in Märkten verdeutlicht, dass die Partnerschaft nicht nur technisch in der App stattfindet, sondern breit kommuniziert werden soll. Für RTL Deutschland erweitert sich damit die Medienstrategie um einen Vertriebskanal im stationären Handel. Für Edeka entsteht ein App-Ökosystem, das sich deutlicher von reinen Preis- und Couponfunktionen abheben soll.

Solche Kooperationen könnten im Abo-Geschäft an Bedeutung gewinnen

Die Zusammenarbeit zeigt, dass Abonnements zunehmend in größere Konsumwelten eingebettet werden. Banken, Telekommunikationsanbieter und Plattformunternehmen setzen bereits länger auf Bündelangebote, um digitale Dienste attraktiver zu machen. Der Lebensmitteleinzelhandel erschließt dieses Prinzip nun auf eigene Weise, indem er wiederkehrende Einkäufe mit einem Entertainment-Angebot verbindet.

Für den Streaming-Markt Deutschland ist das ein Hinweis darauf, dass Wachstum nicht mehr allein über exklusive Inhalte oder klassische Werbung organisiert wird. Entscheidend wird stärker, an welchen Stellen Dienste im Alltag auftauchen und wie niedrig die Eintrittsschwelle für neue Nutzerinnen und Nutzer ist. RTL Deutschland und Edeka testen mit ihrer Kooperation ein Modell, das sowohl den Wettbewerb im Streaming als auch die digitale Aufrüstung des Handels beeinflussen könnte. Ob daraus langfristig ein stabiler Akquisekanal entsteht, dürfte davon abhängen, wie viele Kundinnen und Kunden den Vorteil nicht nur aktivieren, sondern auch dauerhaft nutzen.

Schreibe einen Kommentar