RWE baut Solarpark Hambach mit großem Batteriespeicher aus

Auf Flächen des Tagebaus Hambach entsteht ein weiterer Solarpark mit angeschlossenem Stromspeicher. Das Vorhaben in der Manheimer Bucht zeigt, wie RWE ehemalige und künftig nicht mehr benötigte Bergbauareale während des Strukturwandels für erneuerbare Stromerzeugung nutzen will.

Der neue RWE Solarpark Hambach wird im südlichen Bereich des Tagebaus auf dem Gebiet der Stadt Kerpen errichtet. Auf einer Fläche von etwa 20 Fußballfeldern sollen 25.300 Solarmodule installiert werden. Erste Teile der Unterkonstruktion und einzelne Module stehen bereits. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.

Die Anlage soll eine Spitzenleistung von 16,5 Megawatt erreichen. Auf der Wechselstromseite sind 14,8 Megawatt vorgesehen. Nach Berechnungen von RWE könnte die erzeugte Elektrizität bilanziell den Jahresverbrauch von rund 5.000 Haushalten abdecken. Tatsächliche Erzeugung und Einspeisung hängen jedoch von Sonneneinstrahlung, Jahreszeit und Netzsituation ab.

Tagebauflächen werden für Solarenergie zwischengenutzt

Der Standort verdeutlicht eine Besonderheit des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Die Manheimer Bucht soll langfristig den südlichen Rand des geplanten Hambacher Tagebausees bilden. Bis das Wasser die heute noch trockenen Flächen erreicht, dürften jedoch mehrere Jahrzehnte vergehen.

Die Solarenergie im Tagebau ist deshalb als zeitlich begrenzte Nutzung einer Fläche angelegt, deren endgültige Funktion erst später entsteht. Für RWE bietet diese Übergangsphase die Möglichkeit, bereits erschlossene Areale für Freiflächen-Photovoltaik einzusetzen.

Anders als bei vielen Solarprojekten auf landwirtschaftlichen Flächen entsteht damit zunächst kein direkter Wettbewerb um Ackerland. Dennoch müssen auch auf ehemaligen Bergbauflächen Fragen zur Bodenbeschaffenheit, zur späteren Rekultivierung und zum Rückbau der Anlagen berücksichtigt werden.

Die Energiewende in Kerpen wird dadurch eng mit der Neuordnung der früheren Braunkohleregion verbunden. Aus einem Gebiet, das über Jahrzehnte auf fossile Energie ausgerichtet war, soll schrittweise ein Standort für erneuerbare Stromerzeugung werden.

Der Solarpark allein kann die wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Folgen des Kohleausstiegs nicht ausgleichen. Er steht aber beispielhaft dafür, wie vorhandene Energieinfrastruktur und verfügbare Flächen in ein neues Geschäftsmodell überführt werden können.

Batteriespeicher macht Solarstrom flexibler nutzbar

Neben dem Solarpark plant RWE einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 80 Megawattstunden. Der Bau soll im Sommer 2026 beginnen, die Inbetriebnahme ist ebenfalls für Ende 2026 vorgesehen.

Der Batteriespeicher im Rheinischen Revier soll überschüssige Elektrizität zeitweise aufnehmen und später wieder ins Netz abgeben. Angaben zur Leistung des Speichers und damit zur maximalen Geschwindigkeit der Ein- und Ausspeicherung enthält die Mitteilung nicht.

Die Kombination aus Solaranlage und Speicher gewinnt mit dem wachsenden Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung an Bedeutung. Photovoltaikanlagen liefern besonders viel Energie um die Mittagszeit. Der Verbrauch liegt jedoch häufig morgens und abends höher.

Ein Speicher kann einen Teil dieser zeitlichen Differenz ausgleichen. Zudem können Batteriesysteme kurzfristig auf Schwankungen im Stromnetz reagieren und damit zur Netzstabilität beitragen.

Das Projekt löst allerdings nicht die Herausforderung längerer Dunkelflauten, in denen über mehrere Tage wenig Wind- und Solarstrom erzeugt wird. Batteriesysteme dieser Größenordnung eignen sich vor allem für Verschiebungen innerhalb eines Tages und für kurzfristige Netzdienstleistungen.

Der Speicher ergänzt damit die Solarenergie im Tagebau. Er ersetzt aber weder leistungsfähige Stromnetze noch andere Formen gesicherter und flexibler Erzeugung.

Kommunale Beteiligung soll Akzeptanz stärken

RWE betreibt im Tagebau Hambach bereits drei Solaranlagen und einen Batteriespeicher. Die bestehenden Photovoltaikprojekte erreichen nach Unternehmensangaben zusammen 61 Megawatt peak. Der neue Solarpark in der Manheimer Bucht erweitert damit ein regionales Portfolio, das über einzelne Pilotprojekte hinausgeht.

Insgesamt betreibt RWE nach eigenen Angaben neun größere Solarparks im Rheinischen Revier. Bei bestehenden Anlagen arbeitet der Konzern mit der Gesellschaft NEULAND HAMBACH zusammen. Hinter ihr stehen die sechs Tagebaukommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz.

Auch beim neuen Projekt sollen die beteiligten Städte und Gemeinden die Möglichkeit erhalten, sich wirtschaftlich zu engagieren. Details zur Höhe einer möglichen Beteiligung und zu erwarteten Erträgen wurden zunächst nicht genannt.

Diese Konstruktion ist politisch relevant. Große Energieprojekte stoßen vor Ort häufig auf größere Zustimmung, wenn Kommunen nicht nur Planungs- und Infrastrukturfolgen tragen, sondern auch an Einnahmen beteiligt werden.

Kommunale Beteiligung kann regionale Wertschöpfung sichern und den betroffenen Städten zusätzlichen Einfluss verschaffen. Sie verhindert jedoch nicht automatisch Konflikte über Flächennutzung, Landschaftsveränderungen oder wirtschaftliche Risiken.

Das Rheinische Revier bleibt Energiestandort

Der neue Solarpark und der geplante Batteriespeicher stehen für den Versuch, die Rolle des Rheinischen Reviers als Energiezentrum fortzuführen. Früher beruhte diese Rolle auf Braunkohle, Großkraftwerken und kontinuierlicher Stromproduktion. Nun entsteht ein stärker dezentrales System aus erneuerbaren Anlagen, Speichern und flexibler Netzinfrastruktur.

Dieser Wandel betrifft nicht nur die Technik. Er verändert auch Arbeitsplätze, Qualifikationen und kommunale Einnahmen. RWE verbindet den Ausbau erneuerbarer Energien mit der Perspektive, Beschäftigung und industrielle Kompetenzen in der Region zu halten.

Wie viele dauerhafte Arbeitsplätze durch Solar- und Speicherprojekte entstehen, bleibt jedoch offen. Der Bau benötigt zeitweise erhebliche Kapazitäten, während der spätere Betrieb vergleichsweise wenig Personal erfordert.

Für den regionalen Arbeitsmarkt dürfte deshalb entscheidend sein, ob neben der Stromerzeugung auch Planung, Wartung, Speichertechnik und weitere industrielle Aktivitäten angesiedelt werden.

Die Energiewende in Kerpen ist damit Teil einer größeren industriepolitischen Aufgabe. Aus der Nachnutzung einzelner Tagebauflächen muss langfristig eine tragfähige wirtschaftliche Struktur entstehen, die über befristete Bauprojekte hinausgeht.

Die Manheimer Bucht zeigt das Potenzial ehemaliger Bergbauareale. Zugleich macht sie deutlich, dass der Übergang von der Kohle zur erneuerbaren Energieversorgung kein einzelnes Investitionsvorhaben ist, sondern ein Prozess über Jahrzehnte.

Schreibe einen Kommentar