RWE hat mit dem Bau des Onshore-Windparks Serra Giannina in der süditalienischen Region Basilikata begonnen. Das Projekt erweitert nicht nur das Portfolio des Essener Energiekonzerns, sondern zeigt auch, dass der lange stockende Ausbau der Windenergie in Italien wieder stärker in Bewegung kommt.
Der Onshore-Windpark Serra Giannina entsteht in den Gemeinden Genzano di Lucania und Banzi in der Provinz Potenza. Sechs Anlagen mit jeweils sieben Megawatt sollen zusammen eine installierte Leistung von 42 Megawatt erreichen und nach Angaben von RWE ab 2027 rechnerisch Strom für rund 39.000 italienische Haushalte erzeugen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist die erfolgreiche Teilnahme an der italienischen FER-X-Auktion, über die der Staat Investitionen in neue Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien absichert.
Der Windpark ist Teil einer breiter angelegten Investitionsstrategie
Serra Giannina ist kein Einzelprojekt, sondern Bestandteil eines deutlich größeren Ausbauprogramms von RWE Italien. Der Konzern errichtet derzeit zusätzlich den 47 Megawatt starken Windpark Serra Palino in Apulien, das 45-Megawatt-Projekt Venusia in der Basilikata und den Windpark Alas mit 66 Megawatt auf Sardinien. Insgesamt befinden sich damit rund 200 Megawatt Onshore-Windleistung des Unternehmens in Italien im Bau.
Die regionale Verteilung der Projekte ist strategisch relevant. Süditalien und die Inselregionen verfügen über günstige Windbedingungen, zugleich müssen dort Netze, Genehmigungsverfahren und lokale Infrastruktur mit dem Ausbau Schritt halten. Für RWE bedeutet die Bündelung mehrerer Projekte, dass Erfahrungen bei Projektentwicklung, Bau und Betrieb auf weitere Standorte übertragen werden können. Sie erhöht jedoch auch die Abhängigkeit von funktionierenden Lieferketten und einem rechtzeitigen Netzanschluss.
Staatliche Auktionen sollen Investitionen besser kalkulierbar machen
Die Vergabe im Rahmen der FER-X-Auktion verdeutlicht, wie stark der italienische Windenergiemarkt von verlässlichen politischen Rahmenbedingungen abhängt. Solche Ausschreibungen sollen Betreibern planbare Erlöse ermöglichen und damit das Risiko kapitalintensiver Projekte begrenzen. Für Italien sind sie ein Instrument, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, ohne einzelne Standorte allein dem kurzfristigen Strommarkt auszusetzen.
Onshore-Windkraft gilt im Vergleich zu vielen anderen Formen der klimafreundlichen Stromerzeugung als technisch etabliert und vergleichsweise kostengünstig. Neue Projekte bleiben dennoch anspruchsvoll, weil Genehmigungen, Flächenkonflikte und Netzkapazitäten den Ausbau verzögern können. Die Energiewende in Italien hängt deshalb nicht nur von zusätzlichen Anlagen ab, sondern auch davon, ob Verwaltung und Infrastruktur mit den Investitionen der Energiekonzerne Schritt halten.
RWE baut seine Position im italienischen Energiemarkt aus
RWE betreibt in Italien nach eigenen Angaben bereits 17 Onshore-Windparks und eine Solaranlage mit einer Gesamtleistung von 589 Megawatt. Rechnerisch könne diese Kapazität mehr als 500.000 Haushalte versorgen. Neben den vier Windparks befinden sich weitere Solarprojekte im Bau, wodurch der Konzern seine Präsenz im italienischen Markt für erneuerbare Energien über mehrere Technologien hinweg verbreitert.
Dabei verfolgt RWE einen integrierten Ansatz, der von der Planung und Errichtung bis zum Betrieb und zur Vermarktung des erzeugten Stroms reicht. Diese Kontrolle über mehrere Stufen der Wertschöpfung kann Kosten und Abläufe besser steuerbar machen. Zugleich verschärft der Ausbau den Wettbewerb um geeignete Flächen, Netzanschlüsse und qualifizierte Dienstleister, da auch andere Energieunternehmen ihre Investitionen in Italien erhöhen dürften.
Der Ausbau stärkt Italiens Versorgung, löst aber nicht alle Strukturprobleme
Mit Serra Giannina wächst die regionale Erzeugungskapazität in einer Phase, in der Italien seine Energieversorgung stärker diversifizieren und die Abhängigkeit von fossilen Importen verringern muss. Windparks können dazu einen Beitrag leisten, ihre schwankende Produktion erfordert jedoch ergänzende Netze, Speicher und flexible Kraftwerkskapazitäten. Der Bau neuer Anlagen ist deshalb nur ein Teil des notwendigen Umbaus des Energiesystems.
Für RWE ist das Projekt vor allem ein weiterer Schritt, um sich langfristig im italienischen Windenergiemarkt zu etablieren. Ob aus den derzeit 200 Megawatt im Bau ein dauerhaft wachsendes Geschäft wird, hängt wesentlich von künftigen Ausschreibungen, Genehmigungszeiten und der Leistungsfähigkeit der Stromnetze ab. Serra Giannina steht damit sowohl für neue Investitionsdynamik als auch für die strukturellen Aufgaben, die Italiens Energiewende weiterhin bestimmen.


