RWE verbindet Solarprojekt und Batteriespeicher an der A44n

RWE erweitert sein Energieprojekt entlang der A44n zwischen Bedburg und Jüchen. Das Vorhaben steht beispielhaft für den Umbau des Rheinischen Reviers, in dem erneuerbare Energien zunehmend mit Speichern und vorhandener Netzinfrastruktur verknüpft werden.

Das RWE Solarprojekt soll bis Ende 2026 um 30.600 Module wachsen. Die zweite Baustufe bringt knapp 20 Megawatt peak zusätzliche Leistung und erhöht die installierte Gesamtleistung auf mehr als 100 Megawatt peak. Nach Angaben des Unternehmens könnten die dann insgesamt 171.600 Module rechnerisch Strom für rund 34.000 Haushalte erzeugen.

Die Größenangabe Megawatt peak beschreibt die maximale Leistung einer Solaranlage unter standardisierten Bedingungen. Im Alltag fällt die tatsächliche Produktion je nach Sonneneinstrahlung, Jahreszeit und Wetter geringer aus. Für die Einordnung ist deshalb nicht nur die Spitzenleistung entscheidend, sondern auch die Frage, wie der erzeugte Solarstrom in das Stromsystem integriert wird.

Der Speicher macht aus zusätzlicher Solarleistung ein systemisch relevanteres Projekt

Parallel zur Erweiterung plant RWE den Batteriespeicher A44n mit 75 Megawatt Leistung und rund 150 Megawattstunden Kapazität. Rechnerisch könnte die Anlage ihre volle Leistung etwa zwei Stunden lang abgeben. Der konkrete Betrieb hängt jedoch von Strommarkt und Netzbedarf ab. Der Baustart ist für den Spätsommer vorgesehen, die Fertigstellung für 2027.

Der Speicher soll unter anderem Regelenergie bereitstellen. Damit ist kurzfristig verfügbare Leistung gemeint, die Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Verbrauch ausgleicht und so die Netzfrequenz stabil hält. Gerade bei einem wachsenden Anteil wetterabhängiger Erzeugung gewinnen solche Anlagen an Bedeutung, weil sie schneller reagieren können als viele konventionelle Kraftwerke.

Der gemeinsame Netzanschluss senkt den Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur

Solaranlage und Speicher sollen denselben Netzanschluss nutzen. Das ist strategisch relevant, weil Netzanschlüsse in vielen Regionen zu einem Engpass für neue Energieprojekte geworden sind. Wird vorhandene Infrastruktur besser ausgelastet, kann zusätzliche Leistung schneller eingebunden werden, ohne für jedes Teilprojekt einen vollständig neuen Anschluss zu errichten.

Allerdings löst die gemeinsame Anbindung nicht sämtliche Netzprobleme. Ob die Netzinfrastruktur tatsächlich effizienter genutzt wird, hängt auch von Steuerung, Einspeiseprofilen und verfügbaren Leitungskapazitäten ab. Das RWE Solarprojekt zeigt dennoch, wie Erzeugung und Speicherung an einem Standort stärker zusammengedacht werden können.

Rheinisches Revier wird zum Testfeld für die Zeit nach der Braunkohle

Die Bezeichnung Rheinisches Revier steht inzwischen nicht nur für den früheren Braunkohleabbau, sondern auch für einen politisch gesteuerten Strukturwandel. In der Region entstehen auf und nahe früherer Tagebauflächen neue Anlagen für erneuerbare Energien, während gleichzeitig Arbeitsplätze, Flächennutzung und regionale Wertschöpfung neu geordnet werden müssen. Energieprojekte entlang bestehender Verkehrs- und Industrietrassen können dabei Konflikte um zusätzliche Flächen begrenzen, lösen sie aber nicht auf.

In der Nähe der A44n baut RWE zudem den Windpark Bedburg 3 mit rund 60 Megawatt Leistung. Nach Unternehmensangaben betreibt oder errichtet der Konzern in der Region Solar- und Windprojekte mit zusammen rund 600 Megawatt. Die Bündelung verschiedener Technologien ist Teil einer Standortstrategie, die das frühere Braunkohlerevier schrittweise zu einem Schwerpunkt neuer Stromerzeugung machen soll.

Der Ausbau erhöht den Wettbewerbsdruck auf integrierte Energieprojekte

Mit dem Batteriespeicher A44n erhält das Projekt eine zweite wirtschaftliche Funktion neben der Stromproduktion. Speicher können Erlöse an verschiedenen Märkten erzielen, etwa durch Regelenergie oder durch das zeitliche Verschieben von Einspeisung. Zugleich steigen die Anforderungen an Finanzierung, Betriebsführung und Vermarktung, weil die Wirtschaftlichkeit stärker von Strompreisen und regulatorischen Regeln abhängt.

Für RWE geht es deshalb nicht nur um zusätzliche Kapazität, sondern um die Kombination mehrerer Bausteine an einem Standort. Erneuerbare Energien werden damit stärker als integriertes System geplant, das Erzeugung, Speicherung und Netzanschluss verbindet. Langfristig dürfte sich daran messen lassen, ob der Ausbau im Rheinischen Revier nicht nur sichtbar, sondern auch dauerhaft netzdienlich und wirtschaftlich tragfähig ist.

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