Salzgitter AG Recycling: Umicore Iridium Recycling für verzinkten Stahl

Salzgitter und Umicore bauen ihre Zusammenarbeit in einem Bereich aus, der im Alltag der Stahlproduktion leicht übersehen wird, aber strategische Rohstoffe berührt. Im Kern geht es um Iridium, ein seltenes Edelmetall, das in der Energiewende zunehmend als Engpass diskutiert wird. Die Partner sprechen von einem Verfahren, das Rückstände aus dem Verzinkungsprozess wieder nutzbar machen soll und damit auch die Debatte um Kreisläufe in der Industrie neu füttert.

In der elektrolytischen Bandverzinkung werden Stahlbänder kontinuierlich beschichtet, damit sie später etwa in Karosserien oder Haushaltsgeräten eingesetzt werden können. Dafür kommen MMO-Anoden zum Einsatz, die eine edelmetallhaltige Oberfläche tragen und regelmäßig erneuert werden müssen. Bislang galt das, was nach dem Abtrag dieser Schicht übrig blieb, in vielen Fällen als schwer verwertbarer Reststoff. Nun wird ein Ansatz beschrieben, der genau diese Reste in einen geregelten Rücklauf überführt und damit die Iridium Rückgewinnung Anoden in die Praxis überführt.

Beteiligt sind nach Angaben der Unternehmen die Salzgitter Flachstahl GmbH, die Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH sowie die Umicore Galvanotechnik GmbH und die Business Unit MDS. Entscheidend sei weniger eine einzelne Laboridee als die Frage, ob sich der Umgang mit den Resten im Werk wirtschaftlich organisieren lässt, also mit klaren Schnittstellen und reproduzierbaren Schritten. Der Mengenmaßstab bleibt allerdings überschaubar, was die Einordnung prägt: „Wir sprechen hier von bis zu einem Kilogramm jährlich“, wird aus dem Projektumfeld zitiert.

Iridium wird zum Engpassfaktor der Transformation, doch der Markt bleibt klein

Iridium gehört zur Gruppe der Platinmetalle und ist weltweit nur in begrenzten Mengen verfügbar, zugleich ist die Versorgung stark konzentriert, was die Verwundbarkeit erhöht. Die EU führt Platinmetalle als kritische Rohstoffgruppe und verweist auf hohe Importabhängigkeiten, unter anderem aus Südafrika, das einen großen Anteil bei Iridium, Rhodium und Ruthenium stellt. Vor diesem Hintergrund wirkt jede zusätzliche Quelle, selbst aus Nischenströmen der Industrie, politisch und wirtschaftlich anschlussfähig. Das passt auch zur Logik, mit der europäische Rohstoffpolitik derzeit versucht, mehr Rückgewinnung in heimische Wertschöpfung zu holen.

Gleichzeitig sollte die Wirkung nicht überzeichnet werden: Ein Verfahren, das im Jahr um Größenordnungen von Gramm bis Kilogramm operiert, ersetzt keine Primärförderung. Relevanz entsteht eher daraus, dass Iridium als Material für Elektroden in Anwendungen wie Wasserstoff-Elektrolyseure gilt und der Preis in den vergangenen Jahren immer wieder stark schwankte, was Planbarkeit erschwert. In dieser Lage ist die Kreislaufwirtschaft Stahlindustrie Deutschland weniger ein Schlagwort als ein Testfeld dafür, ob auch kleine Ströme sauber erfasst werden können und damit Risiken in der Beschaffung abfedern.

Der Hebel liegt weniger im Labor als in verlässlichen Abläufen im Werk

Die Projektbeschreibung deutet darauf hin, dass die technische Machbarkeit allein nicht ausreichte, sondern erst die Übersetzung in belastbare Betriebsabläufe den Ausschlag geben soll. Umicore verweist darauf, dass Iridium-Recycling komplex sei und es nur wenige Spezialisten gebe. „Das Recycling von Iridium ist sehr aufwendig und schwierig.“ In dieser Lesart ist das Verfahren auch ein Beispiel dafür, wie industrielle Kooperationen jenseits großer Investitionsmeldungen entstehen, nämlich dort, wo ein Hersteller die Prozessrealität kennt und ein Materialhaus das Edelmetall-Recycling beherrscht.

Für Salzgitter ist der Ansatz zudem ein Signal, wie sich Nebenströme in der Produktion stärker als Ressource begreifen lassen, ohne dass gleich ganze Anlagen neu gebaut werden müssen. Das Projekt wird als integrierter Ablauf im laufenden Betrieb beschrieben, also nicht als Pilot, der nur unter Sonderbedingungen funktioniert. Genau an dieser Stelle wird Salzgitter AG Recycling greifbar, weil es um Organisation, Qualitätsanforderungen und die Frage geht, ob Rückgewinnung als Routine taugt. Für Umicore wiederum stärkt die Kooperation die Position als Anbieter, der nicht nur beschichtet, sondern auch Rückläufe managen kann, was die Erzählung von Umicore Iridium Recycling in Richtung geschlossenerer Kundenbeziehungen erweitert.

Kleine Stoffströme können Lieferketten stabilisieren, wenn Industriepolitik mitzieht

Der Fall zeigt, wie stark sich Wettbewerb heute auch über Materialien entscheidet, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Wenn ein Rohstoff selten ist, wird jede Reduktion von Verlusten interessant, selbst wenn sie nur einen Bruchteil des Gesamtbedarfs betrifft. Das gilt besonders dann, wenn Unternehmen Lieferketten robuster machen wollen und Preisrisiken nicht allein über Einkauf und Lagerhaltung steuern können. In diesem Sinne hat die Iridium Rückgewinnung Anoden eine Bedeutung, die über den konkreten Mengenrahmen hinausgeht.

Langfristig wird sich daran messen lassen müssen, ob solche Lösungen breiter ausrollbar sind, etwa auf weitere Standorte oder ähnliche Prozesse. Für die Kreislaufwirtschaft Stahlindustrie Deutschland wäre das ein praktischer Prüfstein, weil sich hier zeigt, ob Kreisläufe auch dort geschlossen werden, wo es unbequem und kleinteilig wird. Gleichzeitig bleibt es ein Feld, in dem Regulierung, Standards und Industriepolitik darüber entscheiden können, wie attraktiv Rückgewinnung gegenüber dem Einkauf von Primärmaterial wird. Die Kooperation liefert damit vor allem ein Signal: Nicht jeder Hebel ist groß, aber viele Hebel zusammen können Abhängigkeiten reduzieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Salzgitter AG, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

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