SAP Concur baut KI, Zahlungsfunktionen und Reiseservices zugleich aus

SAP erweitert sein Concur-Angebot deutlich und verknüpft dabei mehrere Trends, die Unternehmen seit Jahren beschäftigen: mehr Automatisierung, strengere Kontrolle von Ausgaben und eine nahtlosere Organisation von Geschäftsreisen. Auf der Kundenkonferenz Fusion 2026 stellte der Konzern nach eigenen Angaben neue KI-Funktionen, zusätzliche Integrationen und mehrere internationale Partnerschaften vor.

Auffällig ist, dass SAP dabei nicht nur einzelne Softwarefunktionen nachschärft, sondern das gesamte Umfeld von Buchung, Belegprüfung, Abrechnung und Zahlungsabwicklung enger zusammenziehen will. Gerade im Geschäftsreisemarkt Software entscheidet sich der Nutzen solcher Systeme für viele Firmen nicht mehr nur an der Buchung selbst, sondern daran, wie gut Prozesse im Alltag ineinandergreifen.

Mit den neuen Funktionen rund um SAP Concur 2026 rückt vor allem der digitale Assistent Joule stärker ins Zentrum. SAP zufolge soll die Anbindung an Microsoft 365 Copilot dazu führen, dass Mitarbeitende typische Aufgaben des Reise- und Ausgabenmanagements direkt in ihren gewohnten Büroanwendungen erledigen können. Dazu zählten etwa das Erstellen und Einreichen von Reisekostenabrechnungen, das Hochladen von Belegen, die Reisebuchung oder Hinweise zu internen Richtlinien, ohne dass dafür ein Wechsel zwischen mehreren Programmen nötig sei.

Für Unternehmen ist das mehr als eine Komfortfrage. KI im Reisekostenmanagement gilt inzwischen als Versuch, besonders fehleranfällige Routinearbeiten zu standardisieren, die bislang Zeit kosten und oft zu Rückfragen zwischen Beschäftigten, Vorgesetzten und Buchhaltung führen. Wenn SAP die Zahl der manuellen Eingriffe tatsächlich senken kann, wäre das vor allem für größere Organisationen mit vielen Reisen relevant, in denen kleine Verzögerungen schnell zu spürbaren Verwaltungsaufwänden werden.

SAP will aus einzelnen Tools ein durchgängiges System für Ausgaben machen

Besonders deutlich wird diese Strategie bei zwei neuen Joule-Agenten, die SAP zunächst über ein Early-Adopter-Programm zugänglich machen will. Der eine soll Reisekostenabrechnungen automatisch anlegen und mit relevanten Daten füllen, der andere Belege noch vor der Einreichung auf Unstimmigkeiten prüfen. Aus Sicht von SAP könnten dadurch Ablehnungen seltener werden und Erstattungen schneller erfolgen.

Der Schritt ist deshalb bemerkenswert, weil Reisekosten-Compliance in vielen Unternehmen zu den mühsamsten Verwaltungsaufgaben zählt. Was auf den ersten Blick nach Backoffice-Detail aussieht, ist in der Praxis ein sensibles Feld zwischen internen Regeln, steuerlichen Vorgaben und dem Wunsch nach möglichst reibungslosen Abläufen für Beschäftigte. Wenn ein System Fehler früher erkennt, hat das nicht nur Effekte auf die Effizienz, sondern auch auf Nachvollziehbarkeit und Prüfungsfestigkeit. SAP ergänzt diese Linie nach eigenen Angaben um KI-Werkzeuge für die Richtlinienerstellung in mehreren Concur-Angeboten. Das deutet darauf hin, dass nicht nur einzelne Abrechnungen automatisiert werden sollen, sondern auch die Regeln, nach denen sie bewertet werden.

Die Partnerschaften mit Amex und Visa zeigen, wie stark Software und Zahlungsverkehr zusammenwachsen

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der engeren Verzahnung mit Zahlungsanbietern. Gemeinsam mit American Express Global Business Travel habe SAP neue Funktionen für die Lösung Complete vorgestellt, die Buchungen, Services, Zahlungen und Abrechnungen zusammenführen solle. Hinzu komme ein KI-gestützter Reisesupport, der bei Bedarf an einen menschlichen Reiseberater übergeben werden könne. Außerdem lasse sich Concur Expense weltweit mit Amex GBT Egencia integrieren.

Noch konkreter wird die Strategie bei den virtuellen Firmenkarten von American Express. Gemeinsame Kunden von SAP Concur und American Express könnten solche Karten künftig direkt in Concur Expense erstellen und verwalten. Laut SAP soll das die Kontrolle über Mitarbeiterausgaben stärken und die Sicherheit erhöhen. Zunächst ist das Angebot für ausgewählte Firmenkunden in den USA verfügbar, für weitere US-Kunden ist der breitere Start im dritten Quartal 2026 vorgesehen. Für den Markt ist das ein Hinweis darauf, dass Ausgabenmanagement immer stärker dort ansetzt, wo Zahlungen entstehen, statt erst im Nachgang Belege zu sammeln und zuzuordnen.

Ähnlich gelagert ist die neue Zusammenarbeit mit Visa. Im Rahmen des Visa Commercial Integrated Partner Programms sollen Echtzeitbenachrichtigungen bei Kartenzahlungen automatisch als Ausgabe in Concur Expense erfasst werden. Auch diese Funktion ist vorerst als früher Zugang geplant. Der entscheidende Punkt dabei ist weniger die technische Einzelintegration als das Prinzip dahinter: Ausgabenmanagement soll näher an den tatsächlichen Zahlungsvorgang rücken. Das kann Transparenz verbessern, erschwert aber auch die Abgrenzung zwischen klassischer Buchhaltungssoftware, Zahlungsinfrastruktur und Reiseservice.

Im Geschäftsreisemarkt entscheidet künftig stärker die Qualität des gesamten Reiseablaufs

Neben Ausgaben und Zahlungen baut SAP auch das eigentliche Geschäftsreisemanagement weiter aus. Das neue Nutzererlebnis in Concur Travel soll Gastbuchungen ermöglichen, zusätzliche Inhalte von Cleartrip in Indien einbinden und das Airline-Angebot erweitern. Für international tätige Firmen ist das relevant, weil Reisemanagement nur dann funktioniert, wenn globale Inhalte tatsächlich verfügbar sind und regionale Besonderheiten berücksichtigt werden.

Darin zeigt sich ein struktureller Wandel des Marktes. Unternehmen erwarten von Plattformen längst nicht mehr nur eine saubere Reisekostenabrechnung, sondern eine Lösung, die den gesamten Ablauf vom Buchen bis zur Störung unterwegs begleitet. Wer Reisen organisiert, muss heute Inhalte aus verschiedenen Märkten integrieren, Sicherheitslagen bewerten und trotzdem möglichst einfache Nutzeroberflächen anbieten. Dass SAP diesen Bereich parallel zur KI im Reisekostenmanagement ausbaut, spricht dafür, dass der Konzern nicht nur die Finanzseite optimieren will, sondern die Reise selbst als datengetriebenen Prozess betrachtet.

Zusätzliche Assistenzfunktionen sollen das Reisen planbarer und kontrollierbarer machen

Zu diesem Bild passen auch die Erweiterungen bei TripIt Pro. Dort werde die Funktion Image to Plan um Apple Intelligence ergänzt, außerdem seien erweiterte Risikowarnungen vorgesehen. Für Reisende bedeutet das laut SAP, dass sich Reiserouten besser organisieren und Störungen leichter im Blick behalten ließen.

Solche Funktionen mögen im Vergleich zu Kartenintegrationen oder Compliance-Prüfungen kleiner wirken, sie sind strategisch aber keineswegs nebensächlich. Im Geschäftsreisemarkt Software verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend auf die Frage, welche Plattform Informationen im richtigen Moment bereitstellen kann. Wer nicht nur Abrechnungen verarbeitet, sondern auch Planung, Hinweise und Warnungen in einem System bündelt, bindet Unternehmen enger an die eigene Infrastruktur. SAP Concur 2026 steht damit für einen Ausbau, der weniger auf spektakuläre Einzelneuheiten zielt als auf eine tiefere Durchdringung alltäglicher Arbeitsabläufe. Für Kunden kann das nützlich sein, erhöht aber zugleich die Abhängigkeit von einem eng vernetzten Software- und Partnerökosystem.

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