Die wissenschaftliche Prüfung der Klimaziele von METRO verschafft dem Konzern ein international anschlussfähiges Klimaversprechen. Zugleich zeigt die SBTi-Validierung, wo die eigentliche Bewährungsprobe für die Klimastrategie im Großhandel liegt: bei den Emissionen in Lieferketten, auf die METRO nur begrenzt direkten Einfluss hat.
Die Science Based Targets initiative prüft, ob Unternehmensziele mit anerkannten Klimapfaden vereinbar sind. Für METRO umfasst der bestätigte Rahmen eine deutliche Senkung der Treibhausgase bis 2030 und Netto-Null-Emissionen spätestens 2050. Erfasst werden sowohl Emissionen aus Gebäuden und Fahrzeugen als auch indirekte Belastungen entlang der Wertschöpfungskette. Die SBTi-Validierung ist damit vor allem ein Gütesiegel für die Zielarchitektur, noch kein Nachweis dafür, dass die nötigen Einsparungen bereits erreicht werden.
Die Staffelung der Ziele ist dabei entscheidend. Die Vorgaben bis 2030 sollen verhindern, dass sich der Konzern allein auf ein fernes Netto-Null-Versprechen für 2050 beruft. Verbleibende Emissionen dürfen nach dem bestätigten Ansatz erst dann neutralisiert werden, wenn im eigenen Betrieb und entlang der Lieferkette zuvor umfassende Reduktionen erfolgt sind.
Die Klimastrategie im Großhandel entscheidet sich außerhalb des eigenen Betriebs
Die größten Schwierigkeiten liegen dort, wo der Konzern nicht selbst Eigentümer von Anlagen oder Produktionsprozessen ist. Gerade Scope-3-Emissionen entstehen bei Lieferanten und in vorgelagerten Stufen, etwa in der landwirtschaftlichen Erzeugung, und lassen sich nur über Datenanforderungen, Einkaufsentscheidungen und Zusammenarbeit beeinflussen. Dass METRO neben den eigenen Emissionen auch solche landwirtschaftlich geprägten Quellen einbezieht, verbreitert den Anspruch erheblich. Für die Emissionen in Lieferketten wird deshalb entscheidend, ob aus Zielvorgaben konkrete Anforderungen an Lieferanten und belastbare Fortschrittsdaten entstehen.
Im Großhandel ist diese Abhängigkeit besonders ausgeprägt, weil ein breites Sortiment von zahlreichen Erzeugern und Herstellern zusammengeführt wird. Ein großer Teil der Klimawirkung entsteht deshalb außerhalb der direkten Kontrolle des Handelsunternehmens. Strategisch rückt damit der Einkauf in den Mittelpunkt, denn ohne vergleichbare Daten und verbindliche Zusammenarbeit mit Lieferanten bleibt der Einfluss auf vorgelagerte Emissionen begrenzt.
Der CO2-Fußabdruck einzelner Produkte soll Einkaufsentscheidungen verändern
Operativ setzt METRO auf den Product Carbon Footprint, also eine CO2-Bewertung einzelner Artikel. Sie soll sichtbar machen, an welchen Stellen eines Sortiments besonders hohe Emissionen anfallen und wo Reduktionen möglich sind. Für Kunden aus HoReCa, also Hotels, Restaurants und Cateringbetrieben, kann eine solche Kennzahl relevant werden, wenn sie eigene Klimabilanzen erstellen oder Einkaufsentscheidungen begründen müssen. Der Nutzen hängt allerdings von vergleichbaren Methoden, verlässlichen Lieferantendaten und einer verständlichen Darstellung ab, sonst bleibt die zusätzliche Zahl auf Produktebene schwer einzuordnen.
Die externe Bestätigung schafft Vergleichbarkeit, aber keinen Umsetzungserfolg
Für Investoren, Geschäftskunden und Partner erleichtert die externe Prüfung den Vergleich mit anderen Unternehmen, die nach demselben Standard berichten. Sie verringert zugleich das Risiko, dass Klimaziele allein auf unternehmenseigenen Definitionen beruhen. Ob der Weg zu Net Zero glaubwürdig bleibt, entscheidet sich nun an messbaren Zwischenständen, transparenten Daten und der Bereitschaft, Einkauf und Lieferantenbeziehungen tatsächlich zu verändern. Langfristig könnte die Validierung damit weniger als Abschluss einer Klimastrategie wirken als als Beginn einer deutlich strengeren Rechenschaft über deren Umsetzung.


