Schaeffler setzt mit IPAI stärker auf industrielle KI

Schaeffler tritt der Heilbronner Plattform IPAI bei und will dort Anwendungen für Künstliche Intelligenz Entwicklung näher an die industrielle Praxis bringen. Die Mitgliedschaft zeigt, wie stark sich der Wettbewerb in der Industrie inzwischen auch über Daten, Software und Entwicklungsprozesse entscheidet. Für den KI-Standort Deutschland ist die Kooperation ein weiterer Versuch, Forschung, Kapital und industrielle Erfahrung enger zusammenzuführen.

Schaeffler IPAI ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es nicht nur um einzelne Pilotprojekte geht, sondern um den systematischeren Einsatz von KI im industriellen Umfeld. Der Autozulieferer und Industriekonzern will nach eigenen Angaben zeitweise rund 30 Mitarbeitende am Standort Heilbronn einsetzen. Dort entsteht mit dem IPAI-Campus auf rund 30 Hektar ein großer Innovationspark, der Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologiepartner zusammenbringen soll. Für Schaeffler bedeutet das Zugang zu einem Umfeld, das auf gemeinsame Entwicklung, Testflächen und den Transfer von KI-Lösungen Industrie in konkrete Anwendungen ausgelegt ist.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der klassische Industrieunternehmen ihre Entwicklungsarbeit neu organisieren müssen. Kürzere Produktzyklen, Kostendruck und die Umstellung vieler Geschäftsmodelle erhöhen den Bedarf an digitalen Werkzeugen. Künstliche Intelligenz Entwicklung soll dabei nicht nur beschleunigen, sondern auch helfen, Daten aus Konstruktion, Produktion und Betrieb besser nutzbar zu machen. Gerade für Unternehmen mit komplexen Produkten kann das strategisch wichtiger werden als einzelne Softwareprojekte.

Schaeffler nutzt IPAI als Brücke zwischen Forschung und Serienprodukt

Die Kooperation mit IPAI soll nach Darstellung der Beteiligten dabei helfen, neue Anwendungen schneller aus der Forschung in die industrielle Nutzung zu überführen. Schaeffler bringt dafür langjährige Erfahrung in Produktentwicklung und Fertigung ein, während IPAI Infrastruktur, Netzwerk und ein auf KI spezialisiertes Arbeitsumfeld bereitstellt. Das Netzwerk umfasst mehr als 100 Partner und Mitglieder aus Industrie und Forschung. Damit wird die Zusammenarbeit auch zu einem Beispiel dafür, wie Industrie und Forschung in Deutschland enger verzahnt werden sollen.

Uwe Wagner, Vorstand Forschung und Entwicklung der Schaeffler AG, formuliert den Anspruch so: „Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel, wenn es darum geht, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und innovative Serienprodukte für unsere Kunden zu gestalten.“ Die Aussage verweist auf einen zentralen Punkt der Strategie. KI soll bei Schaeffler nicht als isoliertes Digitalthema behandelt werden, sondern in Kernprozesse der Entwicklung und Produktion hineinwirken. Für den KI-Standort Deutschland ist genau diese industrielle Einbettung entscheidend, weil viele europäische Unternehmen ihre Stärke nicht in Plattformgeschäftsmodellen, sondern in hochspezialisiertem Produktionswissen haben.

Künstliche Intelligenz wird für Schaeffler bereits in konkreten Produkten sichtbar

Schaeffler verweist darauf, dass KI im Unternehmen schon heute in Produkten und Entwicklungsprozessen eingesetzt werde. Ein Beispiel ist ein Sensor zur berührungslosen Bedienung von Fahrzeugheckklappen. Dabei soll eine KI-gestützte Mustererkennung zwischen beabsichtigten Gesten und zufälligen Bewegungen unterscheiden. Für Laien bedeutet das: Die Software lernt, Bewegungsdaten so zu interpretieren, dass eine Heckklappe nicht bei jeder unklaren Bewegung reagiert, sondern nur dann, wenn tatsächlich ein Bedienwunsch erkennbar ist.

Auch im Industriebereich nennt das Unternehmen konkrete Anwendungen. Das OPTIME-Ecosystem analysiert cloudbasiert Daten von Maschinen, etwa Vibrationen und Stromwerte. Solche Systeme sollen Hinweise auf Defekte früher erkennen, ungeplante Stillstände vermeiden und Wartungsprozesse planbarer machen. KI-Lösungen Industrie sind hier weniger spektakulär als in verbrauchernahen Anwendungen, können für Fabriken aber wirtschaftlich erheblich sein, weil Ausfälle, Ersatzteilplanung und Produktionsqualität unmittelbar Kosten verursachen.

Datengetriebenes Engineering soll Entwicklungsarbeit stärker automatisieren

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Entwicklungsprozessen. Schaeffler nutzt nach eigenen Angaben einen ECO Design Assistant, der in frühen Produktphasen den CO₂-Fußabdruck von Bauteilen automatisch berechnen soll. Das ist relevant, weil Nachhaltigkeitsdaten zunehmend in Beschaffung, Regulierung und Kundenanforderungen hineinspielen. Wenn solche Informationen früher verfügbar sind, können Konstrukteure und Produktteams Entscheidungen nicht erst nachträglich bewerten, sondern bereits im Entwurf berücksichtigen.

Besonders anschaulich wird der Wandel bei technischen Zeichnungen. KI-Modelle sollen Informationen aus bestehenden 2D-Zeichnungen extrahieren, strukturieren und für weitere Prozesse verfügbar machen. Was nach einem Detail klingt, betrifft in vielen Industrieunternehmen große Datenbestände, die historisch gewachsen und nicht immer leicht digital auswertbar sind. Künstliche Intelligenz Entwicklung kann hier helfen, vorhandenes Wissen maschinenlesbar zu machen und dadurch Schritte in Konstruktion, Kalkulation und Fertigung zu beschleunigen.

Der industrielle Nutzen entscheidet über die Wirkung der KI-Strategie

In der Zusammenarbeit mit IPAI will Schaeffler unter anderem agentische KI, datengetriebenes Engineering und digitale Zwillinge von Produkten und Produktionsanlagen voranbringen. Agentische KI beschreibt Systeme, die nicht nur einzelne Antworten liefern, sondern Aufgaben in mehreren Schritten planen und ausführen können. Digitale Zwillinge wiederum sind virtuelle Abbilder von Produkten oder Anlagen, mit denen sich Zustände simulieren, überwachen oder optimieren lassen. Zusammengenommen zielen diese Technologien darauf, Entwicklungszeiten zu verkürzen und Produktionssysteme intelligenter zu vernetzen.

Ob Schaeffler IPAI langfristig messbare Vorteile bringt, hängt weniger von der Größe des Netzwerks ab als von der Umsetzung in belastbare Prozesse. Entscheidend wird sein, ob aus dem Innovationsökosystem Anwendungen entstehen, die in Serienprodukte, Fabriken und Lieferketten integriert werden können. Für den KI-Standort Deutschland liegt darin die größere industriepolitische Bedeutung. Wenn Unternehmen wie Schaeffler KI nicht nur testen, sondern in reale Wertschöpfung überführen, könnte Europa in Bereichen punkten, in denen industrielles Domänenwissen und robuste Produktionserfahrung wichtiger sind als reine Softwaregeschwindigkeit.

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