Schwarz Gruppe zieht Bilanz zu REset Plastic

Die Schwarz Gruppe hat ihre 2018 gestartete Kunststoffstrategie REset Plastic zum Ende des Geschäftsjahres 2025 abgeschlossen. Der Handelskonzern meldet Fortschritte bei Plastikreduktion und Rezyklateinsatz, macht aber zugleich deutlich, dass Recyclingfähigkeit in der Praxis stärker von Regulierung, Produktschutz und Materialverfügbarkeit abhängt als von Unternehmenszielen allein.

Die Bilanz ist für die Schwarz Gruppe mehr als ein Nachhaltigkeitsbericht. Sie zeigt, wie eng Verpackungsfragen inzwischen mit Kosten, Lieferketten und Industriepolitik verbunden sind. Wenn Kunststoff knapper, teurer oder politisch stärker reguliert wird, wird Kreislaufwirtschaft Europa zu einem wirtschaftlichen Thema und nicht nur zu einer ökologischen Zielmarke. Gerade im Massengeschäft des Lebensmitteleinzelhandels können kleine Änderungen bei Verpackungen große Mengenwirkungen entfalten, weil Eigenmarken in hohen Stückzahlen verkauft werden.

Die Plastikreduktion ist der sichtbarste Erfolg der Strategie

Bei der Verringerung des Kunststoffeinsatzes fällt die Bilanz am eindeutigsten aus. Lidl und Kaufland hätten den Einsatz von Plastik in Eigenmarkenprimärverpackungen und Transporthilfen im Vergleich zu 2017 um 36 Prozent gesenkt, heißt es aus der Gruppe. Das ursprüngliche Ziel von REset Plastic lag bei 30 Prozent und wurde damit übertroffen. Für Kunststoffverpackungen Handel ist das relevant, weil Primärverpackungen direkt am Produkt hängen und daher stärker von Anforderungen an Haltbarkeit, Hygiene und Transportfähigkeit geprägt sind als viele andere Verpackungsarten.

Die Zahl deutet darauf hin, dass ein großer Handelskonzern über Sortimentssteuerung, Verpackungsdesign und Lieferantenvorgaben tatsächlich Druck auf Materialmengen ausüben kann. Gleichzeitig bleibt offen, welche Produktgruppen besonders stark beigetragen haben und wo Einsparungen schwieriger waren. Redaktionell betrachtet ist der Fortschritt deshalb beachtlich, aber nicht automatisch gleichbedeutend mit einer vollständigen Entkopplung vom Kunststoffverbrauch. REset Plastic liefert vor allem den Nachweis, dass messbare Ziele im Handel wirksamer sein können als allgemeine Selbstverpflichtungen.

Rezyklat wird für Handelskonzerne zu einem strategischen Rohstoff

Auch beim Einsatz von recyceltem Kunststoff meldet die Schwarz Gruppe einen Zielerfolg. Lidl und Kaufland verwendeten in ihren Eigenmarkenverpackungen aus Plastik zuletzt durchschnittlich 26 Prozent Rezyklat. Vorgesehen waren 25 Prozent bis 2025. Gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr sei der Anteil um sechs Prozentpunkte gestiegen, was auf eine beschleunigte Umsetzung gegen Ende der Strategieperiode hindeutet.

Für den Handel ist Rezyklat nicht nur ein Umweltkennwert, sondern zunehmend ein Beschaffungsthema. Wer mehr recyceltes Material einsetzt, macht sich teilweise unabhängiger von neu produziertem Kunststoff und kann auf künftige regulatorische Anforderungen besser reagieren. Zugleich bleibt der Markt für hochwertige Recyclingrohstoffe anspruchsvoll, weil Verpackungen für Lebensmittel und Konsumgüter strenge Qualitätsanforderungen erfüllen müssen. Insofern berührt Kunststoffverpackungen Handel auch Fragen der Versorgungssicherheit, der Sortierinfrastruktur und der industriellen Kapazitäten im Recyclingmarkt.

Recyclingfähigkeit bleibt der schwierigste Teil der Verpackungswende

Komplexer ist die Lage bei der Recyclingfähigkeit. Nach Angaben der Unternehmen stieg der Anteil recyclingfähiger Eigenmarkenverpackungen aus Kunststoff zuletzt um vier Prozentpunkte auf 67 Prozent. Das Ziel lautete, alle entsprechenden Verpackungen maximal recyclingfähig zu machen. Die Schwarz Gruppe argumentiert, nach aktuellem Stand sei im Spannungsfeld von Produktschutz, Materialeinsatz und Rezyklatanteil die maximal mögliche Recyclingfähigkeit erreicht worden.

Diese Formulierung zeigt, wo die Grenzen freiwilliger Unternehmensstrategien liegen. Eine Verpackung muss ein Produkt schützen, möglichst wenig Material verbrauchen und zugleich im bestehenden Recyclingsystem gut verwertbar sein. Diese Ziele passen nicht immer reibungslos zusammen. Hinzu kommt, dass die konkrete europäische Messmethodik im Zuge der Verpackungsverordnung PPWR noch nicht final geklärt ist. Bis dahin orientiert sich die Bewertung laut Unternehmensangaben am vergleichsweise strengen deutschen Mindeststandard. Für Kreislaufwirtschaft Europa ist das ein zentrales Problem, weil Unternehmen Planungssicherheit brauchen, während Politik und Industrie noch an gemeinsamen Bewertungsmaßstäben arbeiten.

Aus REset Plastic wird eine breitere Ressourcenstrategie

Mit REset Resources will die Schwarz Gruppe die bisherige Kunststoffstrategie in eine umfassendere Kreislaufwirtschaftsstrategie überführen. Anders als REset Plastic soll der neue Ansatz nicht nur Plastik, sondern sämtliche Verpackungsarten und Materialien einbeziehen. Damit verschiebt sich der Fokus von einzelnen Kunststoffzielen hin zu Materialströmen über den gesamten Produktlebenszyklus. Neben Lidl und Kaufland werden auch PreZero, Schwarz Produktion und Schwarz Digits in die Strategie eingebunden.

Strategisch ist das plausibel, weil Verpackungsfragen künftig stärker über Unternehmensgrenzen hinweg entschieden werden. Handel, Produktion, Entsorgung und Datenmanagement müssen enger zusammenspielen, wenn Materialkreisläufe funktionieren sollen. Die Schwarz Gruppe kann dabei auf eine ungewöhnlich breite Struktur zurückgreifen, weil sie nicht nur Handelsflächen betreibt, sondern auch Produktion, Entsorgung und digitale Einheiten im Konzern bündelt. Ob daraus ein belastbarer Wettbewerbsvorteil entsteht, hängt jedoch davon ab, ob die neuen Verpackungsziele ähnlich konkret messbar werden wie bei REset Plastic und ob regulatorische Vorgaben in Europa schnell genug Klarheit schaffen.

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