Siemens Smart Infrastructure erweitert sein Angebot für digitale Gebäude um den Dienst Asset Performance Advanced. Der KI-gestützte Gebäudeservice soll Betreibern helfen, technische Anlagen früher zu bewerten und daraus konkrete Arbeitsabläufe abzuleiten.
Mit Asset Performance Advanced adressiert Siemens Smart Infrastructure ein wachsendes Problem größerer Gebäude: Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Automationssysteme liefern immer mehr Daten, doch daraus entstehen nicht automatisch bessere Entscheidungen. Der Dienst soll Messwerte auswerten, Prioritäten setzen und Maßnahmen anstoßen. Für Betreiber von Krankenhäusern, Hochschulen oder gewerblichen Immobilien ist das relevant, weil technische Ausfälle Kosten, Komforteinbußen und Betriebsrisiken verursachen können.
Der Dienst ist in das Building X Ökosystem eingebunden. Im Mittelpunkt steht weniger eine vollständig autonome Immobilie als ein schrittweiser Umbau des Betriebs: weg von der Reparatur nach Alarmmeldung, hin zu vorausschauender Steuerung technischer Anlagen. Siemens setzt damit auf einen Markt, in dem Energieeffizienz, Fachkräftemangel und Nachhaltigkeitsanforderungen den Druck auf Betreiber erhöhen.
Gebäudetechnik wird zur Daten- und Organisationsfrage
Moderne Gebäude sind längst nicht mehr nur bauliche Hüllen mit Haustechnik im Hintergrund. In größeren Objekten erfassen Sensoren laufend Temperaturen, Luftqualität, Energieverbrauch, Anlagenzustände und Nutzeranforderungen. Diese Daten können helfen, Fehler früher zu erkennen. In der Praxis scheitert der Nutzen jedoch häufig daran, dass Hinweise aus unterschiedlichen Systemen nicht eindeutig bewertet werden oder nicht bei den zuständigen Teams landen.
Asset Performance Advanced soll diese Lücke schließen. Die Lösung kombiniert laut Siemens prädiktive Analysen, Fehlerdiagnose und digitale Workflows. Prädiktiv bedeutet, dass ein System aus Mustern in Betriebsdaten ableitet, ob eine Anlage voraussichtlich Probleme entwickelt. Präskriptiv geht darüber hinaus: Die Software soll nicht nur Auffälligkeiten melden, sondern auch vorschlagen, welche Maßnahme sinnvoll wäre und wie sie umgesetzt werden kann.
Damit positioniert Siemens den KI-gestützten Gebäudeservice als Bindeglied zwischen Analyse und Betrieb. Viele Betreiber verfügen bereits über Dashboards und Monitoringlösungen, doch Transparenz allein senkt noch keine Kosten. Erst wenn aus einer Störungsmeldung ein priorisierter Auftrag wird, der bei einem Technikteam oder Service Center ankommt, verändert sich der Alltag im Gebäudemanagement.
Der Nutzen hängt von der Umsetzung der Empfehlungen ab
Siemens beschreibt Asset Performance Advanced als Dienst, der drei Ebenen verbindet: Vorhersage, Handlungsempfehlung und Umsetzung. Am Beispiel einer Lüftungsanlage heißt das: Erkennt das System ungewöhnliche Verbrauchswerte oder Leistungsabweichungen, soll es die Ursache eingrenzen, die Dringlichkeit bewerten und eine passende Maßnahme vorschlagen. Anschließend werden Aufgaben über digitale Workflows weitergeleitet.
Der Ansatz unterscheidet sich von klassischen Alarmsystemen, die viele Einzelmeldungen erzeugen, aber wenig Orientierung geben. Für Gebäudeteams kann das zu einem Priorisierungsproblem werden, vor allem wenn Personal knapp ist oder mehrere Standorte betreut werden müssen. Asset Performance Advanced soll Probleme nach Auswirkungen auf Komfort, Energieverbrauch und Verfügbarkeit ordnen. Dadurch könnten Betreiber Ressourcen dort einsetzen, wo der Effekt am größten ist.
Der wirtschaftliche Hebel liegt vor allem in der Vermeidung ungeplanter Reparaturen. Siemens verweist darauf, dass reaktive Instandhaltung deutlich teurer sein könne als geplante oder vorausschauende Wartung. Solche Angaben hängen von Gebäudetyp, Anlagenalter und Betriebsmodell ab. Plausibel ist dennoch, dass ein früh erkannter Defekt an HLK-Anlagen günstiger zu beheben ist als ein Ausfall, der den Betrieb eines Krankenhauses, Campus oder Bürokomplexes beeinträchtigt.
Krankenhäuser, Hochschulen und Immobilienportfolios stehen im Fokus
Besonders relevant ist der Dienst für Branchen, in denen technische Verfügbarkeit und Nutzerkomfort eng verbunden sind. In Gesundheitseinrichtungen laufen viele Bereiche rund um die Uhr. Operationssäle, Patientenzimmer und Versorgungsbereiche stellen höhere Anforderungen an Raumklima und Zuverlässigkeit als normale Büroflächen. Wenn Asset Performance Advanced dort frühzeitig Abweichungen erkennt, kann das helfen, technische Risiken zu reduzieren und Vorgaben besser einzuhalten.
Auch Hochschulen sind ein naheliegendes Einsatzfeld. Viele Universitäten betreiben Gebäude über mehrere Standorte hinweg, oft mit unterschiedlichen Baujahren, Sanierungsständen und technischen Systemen. Ein zentrales Immobilienportfolio lässt sich nur sinnvoll steuern, wenn Betreiber erkennen, welche Anlagen ineffizient arbeiten und wo Wartung oder Investitionen vorrangig sind. Building X soll hierfür eine digitale Grundlage liefern.
Im gewerblichen Immobiliensektor ist die Logik stärker mit Wettbewerb und Bewertung verbunden. Eigentümer müssen Energieeffizienz verbessern, ESG-Ziele dokumentieren und zugleich Mieterzufriedenheit sichern. Ein KI-gestützter Gebäudeservice kann helfen, Betriebskosten und Komfortfragen zusammen zu betrachten. Der Erfolg hängt aber davon ab, ob Gebäudedaten in ausreichender Qualität vorliegen und Betreiber ihre Prozesse an die Empfehlungen anpassen.
Siemens setzt auf Service statt auf reine Software
Strategisch passt Asset Performance Advanced zu einem breiteren Wandel im Geschäft mit Gebäudetechnik. Anbieter verkaufen nicht mehr nur Steuerungen, Sensorik oder Softwarelizenzen, sondern zunehmend laufende Services, die Datenanalyse, Expertenwissen und operative Unterstützung verbinden. Siemens bindet dafür eigene Digital Service Centers ein. Diese sollen Kunden unterstützen, wenn interne Teams nicht genug Kapazitäten haben oder technische Aufgaben standortübergreifend koordiniert werden müssen.
Brad Haeberle, SVP Services bei Siemens Smart Infrastructure Buildings, fasst den Anspruch so zusammen: „Da Gebäude immer komplexer und datenintensiver werden, besteht die Herausforderung nicht mehr in der Transparenz allein, sondern darin, Erkenntnisse in konkrete Ergebnisse zu transferieren.“ Entscheidend wird also weniger sein, ob die KI einzelne Auffälligkeiten erkennt, sondern ob daraus bessere Betriebsentscheidungen entstehen.
Für Siemens ist der Dienst auch ein Baustein, um das Building X Ökosystem stärker im Markt zu verankern. Je mehr Funktionen dort zusammenlaufen, desto größer wird die Bindung der Kunden an die Plattform. Für Betreiber kann das Vorteile bringen, wenn Systeme, Workflows und Serviceprozesse integriert funktionieren. Zugleich entsteht eine stärkere Abhängigkeit von einem Anbieter, was bei langfristigen Digitalisierungsentscheidungen sorgfältig abgewogen werden dürfte.


