Siemens erweitert am Standort Fürth seine Eigenstrom-Erzeugung deutlich und koppelt den Ausbau enger an die Wärmeversorgung. Nach Angaben des Konzerns soll eine zusätzliche Photovoltaik-Fläche auf mehreren Bestandsgebäuden ab Anfang November Strom liefern. Der Schritt passt in die Strategie, den Standort als Vorzeigeprojekt für klimafreundliche Industrie umzubauen.
Am Siemens Werk Fürth komme damit eine Anlage hinzu, die sich über rund 4.000 Quadratmeter erstrecke und aus knapp 3.300 Modulen bestehe. Die Leistung werde mit 1.350 Kilowattpeak angegeben – das ist ein Nennwert unter Standardbedingungen und nicht gleichzusetzen mit der tatsächlichen Einspeisung an trüben Wintertagen. Zusammen mit einer bereits installierten Anlage auf dem Parkhaus summiere sich die installierte Leistung am Standort auf rund 1.800 Kilowattpeak.
Siemens rechne unter deutschen Wetterbedingungen mit etwa 1,25 Millionen Kilowattstunden Jahresertrag. Das entspreche grob dem Strombedarf von mehr als 500 Haushalten und solle den CO₂-Ausstoß um rund 700 Tonnen senken. Für ein einzelnes Werk sind das relevante Größenordnungen – auch wenn solche Vergleiche eher als Orientierung dienen, weil Industrieprofile und Haushaltslasten strukturell unterschiedlich sind.
Der Ausbau zeigt, wie teuer und unsicher Energie für die Industrie geblieben ist
Für Siemens ist die neue Siemens Photovoltaik Anlage mehr als ein Umweltprojekt, sondern vor allem ein Stück Risikomanagement: Ein höherer Anteil eigener Erzeugung kann Preisspitzen abfedern und reduziert die Abhängigkeit vom Strommarkt. Werkleiter Lorenz Rappl verweist laut Mitteilung darauf, dass nach Inbetriebnahme weiterer Flächen etwa 15 Prozent des Strombedarfs am Standort aus eigener Solarproduktion gedeckt werden könnten. Das ist kein Autarkieversprechen – aber ein Wert, der in vielen Fabriken bereits spürbare Effekte auf Kosten und Planbarkeit hat.
Gerade für die Solarstrom Industrie Bayern wird damit ein Muster sichtbar, das sich in vielen Regionen abzeichnet: Dächer und Parkhäuser werden zu Energieflächen, weil Genehmigungen und Flächenkonflikte geringer sind als bei Freiflächen. Gleichzeitig hängt der Nutzen stark davon ab, wie viel Strom direkt im Betrieb verbleibt und wie gut sich Lastspitzen steuern lassen – Stichwort Eigenverbrauch statt maximaler Einspeisung. Insofern ist der Schritt auch eine Standortstrategie: Wer Produktion elektrifiziert, braucht verlässliche, möglichst günstige Kilowattstunden.
Die Kombination aus PV und Wärmepumpen macht die Energiewende im Werk greifbarer
Bemerkenswert ist, dass Siemens den zusätzlichen Solarstrom auch für neue Wärmepumpen einsetzen will. Nach Konzernangaben sollen die Anlagen 2.000 Kilowatt Wärmeleistung bereitstellen, bei 700 Kilowatt elektrischer Leistung. Übersetzt heißt das: Aus Strom wird über ein technisches „Hebelprinzip“ deutlich mehr nutzbare Wärme – ein Kernmechanismus, um Gas und andere fossile Quellen in der Prozess- und Gebäudeversorgung zurückzudrängen.
Der Nutzen hängt allerdings an der Systemintegration: Ohne Energiemanagementsystem, Lastverschiebung und passende Netzanbindung bleibt ein Teil der möglichen Effizienzgewinne theoretisch. Siemens deutet an, dass genau diese Steuerung am Standort bereits weit entwickelt sei. In der Praxis entscheidet das Zusammenspiel aus Erzeugung, Verbrauch und Speicherung darüber, ob Photovoltaik und Wärmepumpe zu einer stabilen CO₂-Bilanz beitragen – oder ob zusätzliche Strombezüge in ungünstigen Zeiten den Effekt wieder relativieren.
Die Klimaneutralität 2026 wäre ein Signal – aber sie muss messbar bleiben
Siemens stellt Fürth seit Längerem als Transformationsstandort heraus und verweist auf Kennzahlen, die eine starke Produktivitäts- und Effizienzsteigerung nahelegen: Der Energieverbrauch sei um 64 Prozent gesunken, während die Produktion um 145 Prozent gestiegen sei; die Treibhausgasemissionen seien um 72 Prozent reduziert worden. Zudem sei der Standort Anfang 2025 vom Weltwirtschaftsforum als „Sustainability Lighthouse“ ausgezeichnet worden, was die öffentliche Erwartung an belastbare Ergebnisse erhöht.
Rappl wird mit dem Satz zitiert: „Mit dem Ausbau der Solarstromerzeugung kommen wir bei der Dekarbonisierung unseres Standorts hervorragend voran“. Siemens kündigt an, als einer der ersten Fertigungsstandorte das Unternehmensziel der Klimaneutralität bereits 2026 zu erreichen – damit rückt die Klimaneutrale Produktion 2026 als Prüfstein in den Vordergrund. Entscheidend wird sein, welche Emissionen in dieser Bilanz enthalten sind (direkt vor Ort, eingekaufter Strom, vorgelagerte Lieferketten) und wie transparent Siemens die Methodik macht. Für die Solarstrom Industrie Bayern ist das dennoch ein relevanter Fingerzeig: Wenn ein großer Bestandsstandort mit Photovoltaik und Elektrifizierung sichtbar vorankommt, steigt der Druck auf Wettbewerber – und auf die Politik, Netze und Genehmigungen so zu gestalten, dass solche Umbauten nicht am Tempo der Infrastruktur scheitern.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Siemens, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


