Der Siemens-Standort Fürth baut seine Solarstrom-Erzeugung deutlich aus und setzt damit einen weiteren Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion. Auf mehreren Werkgebäuden wurden zusätzliche Photovoltaikflächen installiert, die künftig über eine Million Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern sollen. Das Werk, das vom Weltwirtschaftsforum als „Sustainability Lighthouse“ ausgezeichnet wurde, will bereits 2026 klimaneutral arbeiten.
Klimaneutralität als Industrieprojekt
Der Ausbau gilt als Teil einer umfassenden Transformationsstrategie des Unternehmens. Siemens verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, CO₂-Emissionen seiner Standorte massiv zu reduzieren und einen höheren Anteil des Energiebedarfs selbst zu decken. Die Pläne in Fürth zeigen, dass auch bestehende Industrieanlagen zu energieeffizienten Produktionsstandorten weiterentwickelt werden können.
Neue Photovoltaikanlagen auf rund 4.000 Quadratmetern
Die jüngst installierten Solarmodule bedecken rund 4.000 Quadratmeter Dachfläche. Insgesamt wurden knapp 3.300 neue Module verbaut. Zusammen mit einer bereits vorhandenen Anlage verfügt das Werk nun über eine installierte Leistung von rund 1.800 Kilowatt (Kilowatt Peak). Unter typischen deutschen Wetterbedingungen könne diese Leistung rund 1,25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen – so viel Strom verbrauchen mehr als 500 Durchschnittshaushalte.
Ein Teil der Solarenergie soll künftig auch die neu eingerichteten Wärmepumpen versorgen, die mit 2.000 Kilowatt Wärmeleistung den Standort beheizen. Im Ergebnis sollen jährlich etwa 700 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Energieeffizienz und smarte Steuerung
Fürth gilt im Konzern bereits als Modellprojekt für industrielle Nachhaltigkeit. Das Werk habe durch ein digitales Energiemanagement den Energieverbrauch in den vergangenen Jahren um mehr als 60 Prozent gesenkt, während die Produktionsleistung deutlich gestiegen sei. Die CO₂-Emissionen seien nach Unternehmensangaben bereits um mehr als 70 Prozent zurückgegangen.
Stimmen aus dem Unternehmen
Werkleiter Lorenz Rappl betonte, der Standort komme der Dekarbonisierung „hervorragend voran“. Wenn die vollständige PV-Erweiterung ans Netz gehe, könne das Werk rund 15 Prozent seines Strombedarfs selbst erzeugen. Rappl äußerte sich zuversichtlich, dass Fürth eines der ersten Fertigungswerke im gesamten Unternehmen sei, das das Klimaneutralitätsziel bereits 2026 erreiche.
Wirtschafts- und Standortperspektive
Der Ausbau zeigt, wie stark das Thema Energieautonomie für die deutsche Industrie an Bedeutung gewinnt. Unternehmen versuchen, steigenden Strompreisen und Unsicherheiten an den Energiemärkten mit eigener Erzeugung zu begegnen. Die Investition in Fürth stärkt zudem die regionale Wertschöpfung, da weniger Energie extern bezogen werden muss.
Herausforderungen für Industrie und Energiewende
Trotz der Fortschritte bleibt der Umbau energieintensiver Produktionsstandorte anspruchsvoll. Schwankende Stromproduktion durch Wetterbedingungen, Netzintegration und Investitionskosten gehören zu den strukturellen Herausforderungen der industriellen Energiewende. Ob ähnliche Umstellungen in anderen Werken in gleicher Geschwindigkeit möglich sind, bleibt eine offene Frage.
Ausblick
Am Standort Fürth soll Ende Oktober die letzte der neuen Anlagen ans Netz gehen. Danach will Siemens weitere Schritte prüfen, um Energieerzeugung, Wärmeversorgung und Produktion noch stärker zu verknüpfen. Der Fall könnte zu einem Referenzprojekt werden, wenn andere Werke des Unternehmens und darüber hinaus ähnliche Transformationsprozesse beginnen.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Siemens, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


