toom hat im FFC Rodgau ein automatisiertes Lagersystem für Kleinteile in Betrieb genommen. Für den Baumarkt E-Commerce ist das mehr als eine technische Modernisierung, denn Onlinebestellungen stellen die Branche vor andere Anforderungen als das klassische Filialgeschäft.
Mit dem neuen toom AutoStore setzt die Baumarktkette auf eine Lösung, die Lagerwege verkürzen, Prozesse stabilisieren und das wachsende Onlinevolumen besser bewältigen soll. Im FFC Rodgau übernehmen sieben Roboter nun einen Teil der Kleinteilekommissionierung, indem sie Behälter aus einem kompakten Lagerkubus holen und zu den Arbeitsstationen bringen.
Der Schritt zeigt, wie stark sich die Logistik im Baumarktgeschäft verändert. Während stationäre Märkte weiterhin von Fläche, Nähe und Beratung leben, verlangt der Onlinekanal eine deutlich feinere Steuerung von Sortimenten, Beständen und Lieferzeiten. Besonders Kleinteile sind dabei anspruchsvoll, weil viele einzelne Artikel schnell, zuverlässig und fehlerarm verarbeitet werden müssen. Genau hier soll die Kleinteilekommissionierung in Rodgau effizienter werden, ohne dass Beschäftigte weite Wege im Lager zurücklegen müssen.
Nach Angaben des Unternehmens sind bereits rund 23.000 Behälter produktiv eingelagert und in die tägliche Auftragsabwicklung eingebunden. Der Start sei nach internen Angaben ohne Unterbrechungen des laufenden Betriebs erfolgt, was in der Logistik ein wichtiger Punkt ist. Automatisierung entfaltet ihren Nutzen nicht allein durch Roboter, sondern erst dann, wenn IT, Lagertechnik, Arbeitsabläufe und Personalplanung stabil zusammenspielen. Für den Baumarkt E-Commerce kann ein solcher Umbau deshalb ein Wettbewerbsvorteil sein, sofern er nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Verlässlichkeit erhöht.
Die Automatisierung verschiebt den Fokus von Laufwegen zu Prozesssteuerung
Das Prinzip hinter dem toom AutoStore ist für Laien vergleichsweise einfach zu erklären. Die Waren liegen in Behältern, die in einem kompakten Raster übereinandergestapelt sind. Roboter bewegen sich darüber, holen die benötigten Behälter aus dem System und bringen sie zu sogenannten Ports, an denen Mitarbeitende die Bestellungen weiterbearbeiten. Die körperlich aufwendige Suche nach einzelnen Artikeln im Lager wird dadurch reduziert.
Für die Beschäftigten bedeutet diese Form der Lagerautomatisierung nicht zwangsläufig, dass Arbeit verschwindet. Sie verändert sich vielmehr in Richtung Überwachung, Bedienung und Qualitätssicherung. Das kann ergonomische Vorteile bringen, weil weniger Wege und weniger manuelle Suchvorgänge nötig sind. Zugleich steigen die Anforderungen an Schulung, technische Routine und Prozessdisziplin, denn ein automatisiertes System reagiert empfindlicher auf falsche Stammdaten, unklare Abläufe oder schlecht abgestimmte Software.
Rodgau ist für toom ein strategischer Knoten im Onlinegeschäft
Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Das FFC Rodgau liegt in der Nähe des toom-Lagers in Dietzenbach, wodurch Sortiment und Lieferwege besser aufeinander abgestimmt werden sollen. Auf rund 30.000 Quadratmetern werden dort B2C-Bestellungen des Onlineshops bearbeitet. Diese Nähe kann helfen, Warenflüsse zu bündeln und Lieferzeiten zu verbessern, ohne jede Funktion an einem einzigen Standort konzentrieren zu müssen.
Strategisch geht es damit um mehr als eine einzelne technische Installation. Der Baumarkt E-Commerce steht unter Druck, weil Kunden online eine ähnliche Verfügbarkeit und Geschwindigkeit erwarten wie in anderen Handelsbereichen. Gleichzeitig sind Baumarktsortimente sehr heterogen, von kleinen Ersatzteilen bis zu sperrigen Produkten. Ein System wie die automatisierte Kleinteilekommissionierung kann vor allem dort Wirkung entfalten, wo viele kleinteilige Bestellungen mit hoher Taktung verarbeitet werden müssen.
Standardisierte Technik soll Risiken beim Hochlauf begrenzen
Bemerkenswert ist, dass toom auf eine standardisierte Integration gesetzt hat. Solche Entscheidungen wirken weniger spektakulär als maßgeschneiderte Sonderlösungen, können im laufenden Betrieb aber entscheidend sein. Gerade in Fulfillment-Strukturen zählt nicht die technische Originalität allein, sondern die Frage, ob ein System zuverlässig startet, Wartung planbar bleibt und Mitarbeitende die Abläufe schnell beherrschen. Die Einbindung von WMS, IT, Technik und externen Partnern dürfte deshalb ein zentraler Faktor für den stabilen Start gewesen sein.
Für den FFC Rodgau spricht aus Unternehmenssicht, dass die Anlage skalierbar ausgelegt ist. Skalierbarkeit heißt in diesem Zusammenhang, dass steigende Bestellmengen nicht sofort neue Flächen oder grundlegend neue Prozesse erfordern. Ob sich diese Erwartung langfristig erfüllt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab, darunter Sortimentstiefe, saisonale Nachfragespitzen und die Qualität der Daten im Warenmanagement. Das toom AutoStore ist damit weniger ein Selbstzweck als ein Baustein in einer breiteren Logistikstrategie.
Die Baumarktbranche testet, wie viel Automatisierung im Handel sinnvoll ist
Für die Branche ist der Schritt ein Hinweis darauf, dass Automatisierung im Handel selektiver eingesetzt wird als in der Industrie. Baumärkte müssen ihre Lieferketten nicht nur schneller, sondern auch robuster machen, weil Onlinebestellungen, Filialversorgung und Kundenerwartungen stärker ineinandergreifen. Politisch und wirtschaftlich passt diese Entwicklung in eine Phase, in der Unternehmen mehr Resilienz in ihren Lieferketten suchen und zugleich mit höheren Kosten für Personal, Fläche und Energie umgehen müssen.
Die langfristige Bedeutung wird sich daran messen lassen, ob das System über den stabilen Start hinaus messbare Vorteile bringt. Kürzere Durchlaufzeiten, weniger Laufwege und eine bessere Auslastung der Fläche sind plausible Ziele, doch sie müssen sich im Alltag gegen saisonale Spitzen, Retouren und Sortimentswechsel behaupten. Für toom könnte der Standort Rodgau daher zu einem praktischen Lernfeld werden. Für den Baumarkt E-Commerce insgesamt zeigt der Fall, dass Wettbewerb zunehmend auch in der Logistik entschieden wird.


