TUI Care Foundation baut Kunststoffrecycling auf Curaçao aus

Auf Curaçao verschärft sich ein Problem, das viele Inselökonomien trifft: Der Tourismus wächst, während Flächen für Deponien knapp werden und nur ein kleiner Teil des Kunststoffabfalls wiederverwertet wird. Die TUI Care Foundation und das Sozialunternehmen Green Phenix wollen deshalb die Abfallwirtschaft im Tourismus stärker mit lokalen Recyclingstrukturen verbinden. Das Vorhaben zeigt zugleich, wie Kreislaufwirtschaft in der Karibik funktionieren soll, wenn Sammelsysteme, lokale Verarbeitung und die Rückführung in internationale Recyclingketten kombiniert werden.

Nach Angaben der Projektpartner werden auf Curaçao bislang weniger als zehn Prozent der Kunststoffabfälle recycelt. Für eine Insel ist das nicht nur ein Umweltproblem, weil Plastik an Stränden und in Korallenriffen landet, sondern auch ein wirtschaftliches Risiko für eine Branche, die auf saubere Küsten und intakte Ökosysteme angewiesen ist. Die erste Projektphase schuf Sammelwege bei mehr als 40 Unternehmen, über die nach Angaben der Beteiligten mehr als 50 Tonnen Abfall erfasst wurden. Nun soll das Kunststoffrecycling auf Curaçao ausgebaut und stärker in betriebliche Abläufe von Hotels, Gastronomie und anderen Tourismusunternehmen integriert werden.

Die zweite Projektphase setzt auf mehr Betriebe und klarere Stoffströme

In den kommenden zwei Jahren sollen fast 100 Unternehmen aus Tourismus und Gastgewerbe teilnehmen. Geplant ist, 25 Tonnen Kunststoff sowie 30 Tonnen weitere Materialien zu sammeln, zu sortieren und unterschiedlichen Verwertungswegen zuzuführen. In einer zentralen Recyclinganlage wird der Kunststoff zunächst nach Materialarten getrennt, bevor Teile lokal verarbeitet, von Partnern übernommen oder in internationale Lieferketten des Recyclings gegeben werden. Damit zielt die Abfallwirtschaft im Tourismus nicht allein auf höhere Sammelmengen, sondern auf verlässlichere Prozesse von der Abholung bis zur Weiterverarbeitung.

Auffällig ist, dass die angestrebte Gesamtmenge von 55 Tonnen nur wenig über den mehr als 50 Tonnen der ersten Phase liegt. Direkt vergleichbar sind die Werte allerdings nicht, weil für die erste Phase keine genaue Aufteilung nach Kunststoff und anderen Abfällen genannt wird. Die Ausweitung auf fast 100 Betriebe soll vor allem die Sammlung verbreitern und verstetigen. Entscheidend ist zudem, wie sauber getrennt wird und welcher Anteil in neue Produkte oder Rohstoffe zurückkehrt.

Lokales Upcycling soll Abfall in wirtschaftlich nutzbare Rohstoffe verwandeln

Ein Teil des Materials soll durch Green Phenix zu neuen Produkten verarbeitet werden. Beim Upcycling wird Abfall nicht nur aufbereitet, sondern möglichst in langlebige Erzeugnisse mit höherem Nutzwert überführt, etwa in Gebrauchsgegenstände oder perspektivisch auch in Baustoffe. Die Projektlogik verbindet Umweltziele deshalb mit lokaler Wertschöpfung und Beschäftigung für Frauen, junge Menschen und Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Ob daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, hängt allerdings davon ab, ob Absatz, Qualität und Produktionskosten auch ohne dauerhafte Förderung konkurrenzfähig bleiben.

Für Curaçao liegt der wirtschaftliche Reiz darin, einen Teil der Wertschöpfung auf der Insel zu halten, statt Abfälle ausschließlich zu deponieren oder für die Verarbeitung auszuführen. Zugleich bleibt die Einbindung externer Partner wichtig, weil das Projekt ausdrücklich mehrere Verwertungswege vorsieht. Diese Mischung wirkt pragmatisch, zeigt aber auch, dass eine vollständig geschlossene lokale Kreislaufwirtschaft vorerst nicht das Ziel ist.

Die Tourismusbranche wird zum Teil der Lösung und bleibt zugleich Mitverursacherin

Die Einbindung von Hotels und Gastronomiebetrieben ist strategisch sinnvoll, weil dort Abfälle gebündelt anfallen und Sammelroutinen in bestehende Betriebsabläufe eingebaut werden können. Gleichzeitig verlagert das Projekt Verantwortung nicht vollständig auf öffentliche Entsorgungsstrukturen, sondern bindet Unternehmen ein, die vom Wachstum des Reisegeschäfts profitieren. Für die Stiftung ist das auch ein Test, ob sich ökologische Standards über Kooperationen in der Branche schneller verbreiten lassen als allein über freiwillige Einzelmaßnahmen. Die Kreislaufwirtschaft in der Karibik könnte dadurch stärker an Beschaffung, Logistik und Qualitätskontrolle der Tourismusbetriebe gekoppelt werden.

Offen bleibt, wie verbindlich die teilnehmenden Unternehmen ihre Abläufe verändern und welche Kosten sie selbst tragen. Die Mitteilung nennt Sammelziele und die Zahl der Partner, macht aber keine Angaben zu Recyclingquoten innerhalb des Projekts, zu Erlösen aus den Produkten oder zum Finanzierungsanteil der Betriebe. Für eine belastbare Bewertung müsste die zweite Phase deshalb auch zeigen, wie dauerhaft die neuen Routinen und Arbeitsplätze sind.

Curaçao soll als Modell für weitere Inseln der Region dienen

Neu ist der geplante Wissensaustausch zwischen den sechs Inseln der Niederländischen Karibik. Dabei sollen Erfahrungen mit Sammlung, Sortierung und lokaler Verarbeitung weitergegeben werden, ohne vorauszusetzen, dass sich das Curaçao-Modell unverändert übertragen lässt. Ob die Übertragung gelingt, hängt vor allem davon ab, ob auf den anderen Inseln vergleichbare Sammelstrukturen, Partnernetzwerke und Verwertungswege aufgebaut werden können. Die regionale Perspektive verleiht dem Kunststoffrecycling auf Curaçao dennoch politische Bedeutung, weil aus einem lokalen Projekt ein Ansatz für mehrere Reiseziele werden soll.

Die Mitteilung lässt offen, ob der Austausch bei Schulungen und Erfahrungsberichten bleibt oder später zu gemeinsamen operativen Strukturen führt. Damit ist die regionale Komponente zunächst eher ein Lernnetzwerk als ein einheitliches Abfallsystem. Ihr Wert wird sich daran messen lassen, ob aus den Erfahrungen konkrete Verfahren entstehen, die sich an unterschiedliche Inselbedingungen anpassen lassen.

Der Erfolg entscheidet sich an dauerhaften Strukturen nach der Förderung

Das Projekt ist Teil des internationalen Programms Destination Zero Waste, das laut Stiftung auch in Sansibar, Mauritius, Zypern, Griechenland, Menorca, Sizilien und Mexiko umgesetzt wird. Für die TUI Care Foundation steht damit nicht nur eine einzelne Sammelinitiative im Vordergrund, sondern die Frage, ob Tourismusdestinationen eigene Kreisläufe für Wertstoffe aufbauen können. Entscheidend wird sein, ob die neuen Strukturen nach der zweijährigen Phase ohne Projektlogik weiterlaufen, ausreichend Material erhalten und stabile Käufer für recycelte Produkte finden. Erst dann würde aus einem begrenzten Umweltprojekt ein belastbarer Baustein für eine Kreislaufwirtschaft in der Karibik.

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