TUI Care Foundation verbindet Wiederaufforstung in Navarra mit Tourismus

Die TUI Care Foundation startet nahe dem UNESCO-Biosphärenreservat Bardenas Reales ein Renaturierungsprojekt auf Flächen, die 2022 durch einen Großbrand schwer beschädigt wurden. Die Wiederaufforstung in Navarra soll nicht nur Wald zurückbringen, sondern zugleich Erosion bremsen, Arten schützen und nachhaltigen Tourismus in der Region stärker mit Naturschutz verknüpfen.

Der Brand vom Juli 2022 zerstörte nach Angaben der Projektpartner 862 Hektar Wald- und Buschland rund um die Gemeinde Arguedas, darunter rund 90 Prozent der örtlichen Vegetation. Damit gingen Lebensräume verloren, während ungeschützte Böden anfälliger für Abschwemmung und Überflutung wurden. In den kommenden 26 Monaten wollen die TUI Care Foundation und das Renaturierungsunternehmen Land Life Company mehr als 90 Hektar wiederherstellen, unterstützt von der Gemeinde und der Regionalregierung. Für eine Region, deren Wirtschaft und öffentliches Profil eng mit Naturerlebnissen verbunden sind, ist das Vorhaben deshalb zugleich Umweltprojekt und Standortpolitik.

Die Wiederaufforstung soll mehr leisten als neue Bäume zu setzen

Geplant ist die Pflanzung von 33.930 einheimischen Bäumen, während auf weiteren Flächen rund 33.000 Exemplare durch natürliche Verjüngung nachwachsen sollen. Dieser kombinierte Ansatz ist sinnvoll, weil eine stabile Waldlandschaft nicht allein durch möglichst hohe Pflanzzahlen entsteht. Entscheidend sind standortgerechte Arten, ausreichend Raum für natürliche Regeneration und ein Landmanagement, das die Folgen künftiger Trockenperioden und Starkregen berücksichtigt. Auf insgesamt 320 Hektar soll deshalb ein Wasser- und Waldbewirtschaftungsplan greifen, der auch die Ausdünnung dichter Kiefernbestände und die gezielte Pflege geschädigter Flächen vorsieht.

Holzbarrieren sollen Wasser auf den Hängen abbremsen, Boden festhalten und damit den Erosionsschutz verbessern. Solche Maßnahmen sind in verbrannten Landschaften besonders relevant, weil der Verlust von Wurzeln und Vegetationsdecke die Oberfläche über Jahre destabilisieren kann. Die Wiederaufforstung in Navarra wird damit zu einem Test dafür, ob Pflanzung, Pflege und Wassermanagement als zusammenhängendes System organisiert werden. Der Erfolg dürfte weniger an der Zahl gesetzter Bäume als an ihrer Überlebensrate und an der langfristigen Erholung des Bodens zu messen sein.

Artenvielfalt wird zum Maßstab für die Qualität der Renaturierung

Das Projekt beschränkt sich nicht auf den Baumbestand, sondern bezieht auch Tierarten ein, die nach einem Brand wichtige Rückzugs- und Nahrungsräume verlieren. Vorgesehen sind Nisthilfen für Rötelfalken und Steinkäuze sowie Insektenhotels und künstliche Wasserstellen. Damit soll die Nahrungskette in einer Landschaft stabilisiert werden, deren ökologische Funktionen sich nicht automatisch mit dem ersten neuen Grün erholen. Gerade bei großflächigen Renaturierungen zeigt sich die Qualität deshalb daran, ob unterschiedliche Arten zurückkehren und sich wieder dauerhaft ansiedeln können.

Die Mischung aus Aufforstung, Biodiversität und Wasserbewirtschaftung folgt einer breiteren Entwicklung im Naturschutz. Statt einzelne Flächen isoliert zu bepflanzen, werden zunehmend ganze Landschaftsräume betrachtet, einschließlich Boden, Tierwelt und menschlicher Nutzung. Im Umfeld der Bardenas Reales ist das besonders relevant, weil Schutzgebiet, Landwirtschaft, Freizeitnutzung und Siedlungen eng nebeneinanderliegen. Die geplanten Eingriffe müssen daher ökologische Erholung ermöglichen, ohne neue Nutzungskonflikte zu erzeugen.

Lokale Beteiligung entscheidet über die Dauerhaftigkeit des Projekts

Mehr als 1.400 Menschen aus der Umgebung sollen an Pflanzaktionen und Bildungsangeboten teilnehmen, außerdem sind zehn lokale Arbeitsplätze vorgesehen. Schülerinnen und Schüler sollen ebenso eingebunden werden wie ältere Gemeindemitglieder, deren Wissen über frühere Formen der Landbewirtschaftung in das Projekt einfließen soll. Diese Beteiligung ist mehr als ein Begleitprogramm, denn Wiederaufforstung benötigt über Jahre Pflege, Akzeptanz und Aufmerksamkeit vor Ort. Ohne lokale Verantwortung besteht die Gefahr, dass Maßnahmen nach dem Ende der Finanzierung an Wirkung verlieren.

Die Stiftung verbindet das Vorhaben deshalb mit öffentlichen Pflanztagen und Angeboten des nahe gelegenen Naturparks Sendaviva. Das kann Umweltbildung stärken und die Folgen des Brandes sichtbar machen, birgt aber auch eine kommunikative Herausforderung. Aus einzelnen Aktionstagen darf nicht der Eindruck entstehen, zerstörte Waldlandschaften ließen sich schnell ersetzen. Ökologischer Wiederaufbau ist ein langwieriger Prozess, dessen Ergebnisse erst über viele Jahre belastbar bewertet werden können.

Nachhaltiger Tourismus wird Teil der regionalen Anpassungsstrategie

Mehr als 400.000 Menschen besuchen jährlich die Umgebung der Bardenas Reales, hinzu kommen nach Projektangaben rund 170.000 Gäste im Naturpark Sendaviva. Lehrpfade und Informationstafeln sollen künftig erklären, wie sich die Landschaft nach dem Feuer regeneriert und welche Eingriffe dafür notwendig sind. Damit wird nachhaltiger Tourismus nicht nur als möglichst schonende Nutzung verstanden, sondern auch als Instrument, um Besucher über Waldbrandfolgen und Klimarisiken zu informieren. Die Einbindung des Radrennens „Extreme Bardenas“ soll zusätzlich Aufmerksamkeit schaffen, muss sich jedoch an den Schutzbedürfnissen der empfindlichen Flächen orientieren.

Für die Region liegt darin eine strategische Chance, Naturerlebnis und Wiederherstellung enger miteinander zu verbinden. Zugleich bleibt ein Zielkonflikt bestehen, weil mehr Sichtbarkeit auch mehr Besucher und damit zusätzlichen Druck auf Wege, Böden und Tierwelt bedeuten kann. Entscheidend wird sein, ob Besucherströme gelenkt und Einnahmen oder öffentliche Aufmerksamkeit tatsächlich für die Pflege der Landschaft genutzt werden. Das Projekt zeigt damit, wie nachhaltiger Tourismus zur Finanzierung und Vermittlung von Naturschutz beitragen kann, ohne die ökologische Erholung zum bloßen touristischen Angebot zu machen.

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