Die Universitätsmedizin Frankfurt hat den Ausbau eines nahezu flächendeckenden Mobilfunknetzes auf ihrem Campus abgeschlossen. Das 5G-Netz im Krankenhaus soll vor allem die interne Kommunikation stabilisieren und neue Anwendungen für die digitale Gesundheitsversorgung ermöglichen. Für den Klinikstandort Frankfurt ist das Projekt damit weniger ein technisches Prestigevorhaben als ein Test dafür, wie weit sich medizinische Abläufe vernetzen lassen.
Seit 2022 hat Vodafone auf dem Gelände mehr als 650 Antennen installiert und dafür rund 24.000 Meter Datenkabel sowie 10.700 Meter Glasfaser verlegt. Die Vielzahl der Komponenten zeigt, wie aufwendig Mobilfunk in einem dicht bebauten Klinikum ist, dessen Wände, Untergeschosse und Funktionsbereiche Funksignale abschirmen können. Nach Angaben der Beteiligten reicht die Abdeckung nun fast über den gesamten Innen- und Außenbereich. Die Investition beläuft sich auf 4,5 Millionen Euro, davon stammen rund 3,8 Millionen Euro aus dem EU-Programm CEF Digital.
Der Netzausbau soll zuerst alltägliche Engpässe im Klinikbetrieb beseitigen
Der unmittelbare Nutzen liegt nicht in spektakulären Zukunftsanwendungen, sondern in verlässlicher Erreichbarkeit und höheren Datenraten. Ärztliche Teams, Pflegekräfte und andere Beschäftigte arbeiten zunehmend mit mobilen Geräten, digitalen Akten und bildgestützten Informationen, die ohne stabile Verbindung nur eingeschränkt verfügbar sind. Das 5G-Netz im Krankenhaus kann solche Prozesse beschleunigen, weil es größere Datenmengen mit geringer Verzögerung überträgt. Ob daraus tatsächlich kürzere Wege und schnellere Entscheidungen entstehen, hängt allerdings ebenso von der eingesetzten Software, klaren Zuständigkeiten und der Akzeptanz im Arbeitsalltag ab.
Echtzeit-Anwendungen machen aus Mobilfunk eine medizinische Infrastruktur
Für die digitale Gesundheitsversorgung ist besonders die geringe Reaktionszeit moderner Mobilfunknetze interessant. Sie kann etwa Videoverbindungen zu Spezialisten, live begleitete Ultraschalluntersuchungen oder die Ortung von Betten, Laborproben und medizinischen Geräten unterstützen. Einige dieser Anwendungen seien bereits während der Bauphase getestet worden, andere befänden sich noch in der Erprobung. 5G ersetzt dabei weder medizinische Expertise noch etablierte IT-Systeme, kann aber die technische Grundlage schaffen, damit Informationen dort verfügbar sind, wo sie unmittelbar gebraucht werden.
Die Universitätsmedizin Frankfurt knüpft damit an ein bereits 2018 gestartetes Landesprojekt zur Digitalisierung des Klinikums an. Neu ist vor allem, dass einzelne Versuche nun auf eine campusweite Infrastruktur treffen und nicht mehr nur in begrenzten Testumgebungen laufen. Das erhöht die Chance, digitale Anwendungen in reguläre Abläufe zu überführen, verschärft aber zugleich die Anforderungen an Datenschutz, Ausfallsicherheit und Wartung. Gerade in einem Krankenhaus muss ein zusätzlicher Kommunikationskanal belastbar sein, ohne zum neuen Schwachpunkt kritischer Prozesse zu werden.
Öffentliche Förderung macht Frankfurt zum Modellfall mit offenem Ausgang
Dass die EU einen Großteil der Kosten trägt, verweist auf die industriepolitische Dimension des Vorhabens. Öffentliche Förderprogramme sollen nicht nur Funklöcher schließen, sondern auch zeigen, ob sich 5G in sensiblen Einrichtungen wirtschaftlich und organisatorisch bewährt. Der Klinikstandort Frankfurt erhält dadurch eine Infrastruktur, deren Nutzen über bessere Telefonie hinausreichen kann. Zugleich bleibt offen, welche Anwendungen dauerhaft eingeführt werden und ob vergleichbare Investitionen auch für kleinere Häuser finanzierbar sind.
Für Vodafone ist das Projekt eine Referenz für den Einsatz eigener Netze in komplexen Gebäuden, für die Universitätsmedizin steht dagegen die praktische Integration im Vordergrund. Entscheidend wird sein, ob die Technik messbar zur Versorgung beiträgt, etwa durch schnellere Abstimmung, weniger Suchzeiten oder eine bessere Einbindung externer Fachleute. Erst solche Effekte würden aus dem abgeschlossenen Bauprojekt einen belastbaren Fortschritt für die digitale Gesundheitsversorgung machen. Der Klinikstandort Frankfurt könnte dann als Beispiel dienen, ohne dass sich die dortigen Bedingungen automatisch auf andere Regionen und Krankenhäuser übertragen lassen.


