VERBUND Green Power bindet Nordex Windturbinen in einem Rahmenvertrag bis 2030

VERBUND Green Power und die Nordex Group haben eine mehrjährige Vereinbarung über die potenzielle Lieferung von Windturbinen geschlossen. Im Kern geht es um bis zu 700 Megawatt neue Onshore-Windenergie Europa, verteilt über mehrere Länder und mehrere Jahre. Der Schritt ist auch ein Signal dafür, wie stark Projektplanung heute von verlässlichen Lieferzusagen abhängt.

VERBUND Green Power hat mit der Nordex Group einen Rahmenvertrag vereinbart, der bis 2030 laufen soll und die Option auf Windturbinen mit zusammen bis zu 700 Megawatt umfasst. Nach Angaben der Unternehmen könnten damit bis zu 105 Anlagen geliefert werden, vorgesehen für Projekte in Österreich, Deutschland, Spanien, Italien, Rumänien und Albanien. Unterzeichnet worden sei das Abkommen Mitte Januar in Madrid, wie beide Seiten mitteilten.

Bemerkenswert ist der Charakter der Vereinbarung: Es handelt sich nicht um eine fixe Bestellung, sondern um eine Art Vorratsbeschluss für Kapazitäten. Ob und wann aus dem Rahmenvertrag konkrete Aufträge werden, hängt laut Darstellung der Unternehmen von Genehmigungen, kommerziellen Einzelvereinbarungen und weiteren Bedingungen ab. Selbst die Größenordnung ist als „bis zu“ formuliert, was in der Windbranche üblich ist, zugleich aber zeigt, wie viele Unsicherheiten zwischen Projektpipeline und Inbetriebnahme liegen.

Der Deal ist vor allem eine Versicherung gegen Engpässe und Preissprünge.

In der Praxis sind Rahmenverträge in der Windindustrie weniger eine PR-Geste als ein Instrument, um Risiken entlang der Lieferkette zu begrenzen. Turbinenhersteller planen Produktionsauslastung über Jahre, Betreiber wiederum müssen sich Slots sichern, bevor sie Finanzierung und Bauverträge sauber schließen können. Dass VERBUND Green Power ausgerechnet jetzt auf einen Rahmenvertrag bis 2030 setzt, deutet darauf hin, dass das Unternehmen seine Ausbauschritte stärker standardisieren will und dafür verlässliche Lieferfenster braucht. Für den Wettbewerb um Turbinenkapazitäten spricht auch, dass Windprojekte europaweit zunehmend parallel anrollen, während die industrielle Fertigung nicht beliebig schnell hochgefahren werden kann.

Zugleich lässt der Rahmenvertrag Raum für Preis- und Technikentwicklung, ohne dass jede einzelne Anlage schon heute verhandelt werden muss. Nordex Windturbinen sollen laut Angaben des Herstellers aus der neuesten Onshore-Generation stammen, in der Spitze mit bis zu sieben Megawatt pro Anlage. Für ein allgemeines Publikum heißt das: Es sind große Maschinen, die an windstarken Standorten deutlich mehr Strom liefern als ältere Serien, aber auch höhere Anforderungen an Transport, Fundament und Netzanschluss mitbringen. Ein 700-Megawatt-Paket klingt abstrakt, entspricht in dieser Größenordnung aber grob der Leistung mehrerer großer Windparks und kann, je nach Auslastung, eine spürbare Menge Strom für Hunderttausende Haushalte liefern, ohne dass dafür neue fossile Kapazitäten gebaut werden müssten.

VERBUND verschiebt den Schwerpunkt von Wasserkraft zu einem breiteren Erneuerbaren-Mix.

Für VERBUND ist die Zusammenarbeit auch strategisch lesbar. Der Konzern ist historisch stark in der Wasserkraft, will aber den Anteil von Wind- und Solarstrom deutlich erhöhen. Unter dem Programmnamen „Mission V“ verfolgt VERBUND laut eigener Darstellung das Ziel, dass Photovoltaik und Windkraft bis 2030 ein Viertel der gesamten Stromerzeugung ausmachen. VERBUND Green Power dient dabei als internationale Plattform für erneuerbare Projekte außerhalb der klassischen Wasserkraft-DNA des Unternehmens, mit bereits mehr als 1,2 Gigawatt installierter Erneuerbaren-Kapazität in Europa und einer Reihe von Vorhaben im Bau.

Der Rahmenvertrag bis 2030 passt zu dieser Logik, weil er die Umsetzungsphase stärker industrialisiert. Nach Einschätzung der Unternehmen könnte das vereinbarte Volumen rechnerisch rund die Hälfte der Windprojektpipeline von VERBUND Green Power abdecken, wobei diese Aussage ausdrücklich unter Vorbehalt steht. Genau darin liegt die Bedeutung: Ein Betreiber signalisiert, dass er Projekte nicht nur entwickelt, sondern sie auch in eine Beschaffungsschiene überführen will. VERBUND-Chef Michael Strugl wird in der Mitteilung mit dem Satz zitiert: „Diese Zusammenarbeit mit Nordex unterstützt unser strategisches Ziel, die erneuerbare Stromerzeugung in Europa auszuweiten“. Der Satz ist nüchtern, macht aber klar, dass es weniger um ein einzelnes Leuchtturmprojekt geht als um Skalierung über mehrere Märkte hinweg.

Für Nordex ist die Bindung eines Großkunden im europäischen Windmarkt strategisch wertvoll, aber nicht risikofrei.

Für Nordex hat der Rahmenvertrag einen anderen Schwerpunkt: Auslastung, Planbarkeit und Marktzugang. Der Hersteller verweist auf eine bisher installierte Leistung von rund 57 Gigawatt in über 40 Märkten und meldete für 2024 einen Umsatz von rund 7,3 Milliarden Euro bei mehr als 10.400 Beschäftigten. Produziert wird nach Unternehmensangaben unter anderem in Deutschland und Spanien sowie außerhalb Europas, was den Spagat zwischen lokaler Wertschöpfung, Kosten und Lieferfähigkeit sichtbar macht. In einem Markt, der stark von Ausschreibungen, nationalen Ausbauzielen und Finanzierungskonditionen abhängt, ist ein mehrjähriger Abnahmehorizont ein Pfund, auch wenn er noch keine festen Stückzahlen garantiert.

Gleichzeitig sind die Risiken nicht verschwunden, sondern werden nur anders verteilt. Turbinenverträge stehen in Europa regelmäßig unter dem Vorbehalt von Genehmigungen und Netzanbindung, außerdem schwanken Projektzeitpläne durch Einsprüche, Materialpreise und politische Vorgaben. Nordex betont, dass man mit VERBUND Green Power bis 2030 bis zu 700 Megawatt liefern wolle und nennt als Beispiel eine bereits erfolgte Bestellung von neun Turbinen für Rumänien, die den Markteintritt dort ausbaue. Nordex-CEO José Luis Blanco wird dabei mit einem kurzen Satz zitiert: „Wir sind sehr stolz auf unsere Partnerschaft mit VERBUND Green Power.“ Aus redaktioneller Sicht ist der Satz vor allem ein Hinweis darauf, dass die Industrie wieder stärker auf langfristige Kundenbeziehungen setzt, nachdem der Kostendruck in den vergangenen Jahren viele Hersteller gezwungen hat, Preise und Vertragsmodelle neu zu justieren.

Quellenhinweis:

Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Nordex, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.

Schreibe einen Kommentar