In Berlin-Lichtenberg entsteht ein Wohnprojekt, das mehr sein will als eine weitere Baustelle in einer angespannten Stadt. Vonovia verbindet dort Nachverdichtung mit industrieller Vorfertigung und rückt damit eine Bauweise in den Mittelpunkt, die der Branche Tempo und Kostendisziplin verspricht.
In Berlin-Lichtenberg in der Schlichtallee entsteht ein Projekt, das Vonovia als sein bislang größtes serielles Holzvorhaben in Deutschland beschreibt. Der Vonovia Berlin-Lichtenberg Neubau soll 158 Mietwohnungen umfassen und auf einem bereits genutzten Grundstück zusätzlichen Wohnraum schaffen. Umgesetzt werde das Vorhaben nach Angaben des Konzerns über die Tochter BUWOG, gebaut werde gemeinsam mit dem Holzbauspezialisten GROPYUS.
Dass ein Staatssekretär des Bundesbauministeriums die Baustelle besuchte, wirkt dabei wie ein Signal, dass die Politik solche Beispiele als Testfeld betrachtet. Dr. Olaf Joachim habe vor Ort sehen wollen, wie Nachverdichtung im Wohnungsbau und neue Bauverfahren zusammengehen könnten. Für Berlin ist das auch deshalb relevant, weil die Stadt zwar dringend mehr Wohnungen braucht, neue Flächen aber politisch und praktisch immer schwerer zu mobilisieren sind.
Die Bauindustrie sucht Skalierung, doch der Markt bleibt teuer
Der Kern des Ansatzes liegt im seriell-modularer Holzbau, also in der weitgehenden Verlagerung von Arbeitsschritten in die Fabrik. Vor Ort würden dann vorgefertigte Wand- und Deckenelemente montiert, ergänzt um standardisierte Module wie 3D-Fertigbäder. Nach Angaben der Beteiligten werde das Material „just in time“ angeliefert, was Baustellenlogistik planbarer machen solle, aber auch weniger Puffer für Störungen lässt.
Im Projekt werde der Vorfertigungsgrad mit über 80 Prozent beziffert, die verbleibenden Arbeiten beträfen vor allem Haustechnik, Innenausbau, Fassade und Balkone. Die Montage sei in neun Bauabschnitten organisiert, pro Abschnitt würden zwei Häuser parallel entstehen, alle zehn Wochen beginne ein neuer Abschnitt. Diese Taktung ist mehr als Bauablauf, sie ist der Versuch, ein traditionell projektgetriebenes Geschäft in eine Art Serienproduktion zu überführen, mit allen Chancen und Grenzen, die das in einem stark regulierten Markt mit langen Genehmigungswegen mit sich bringt.
Automatisierung in Richen könnte die Qualitätsdebatte verschieben
GROPYUS verweist für die industrielle Logik auf die Fertigung im baden-württembergischen Richen. Dort könne im Durchschnitt alle rund 16 Minuten ein Bauelement hochautomatisiert entstehen, die Fehlertoleranz pro Element liege demnach bei plus minus einem Millimeter. Außerdem werde eine Reduktion von Baumängeln um etwa 60 Prozent in Aussicht gestellt, ein Punkt, der in einer Branche mit hohem Nachbesserungsrisiko ökonomisch wie politisch aufgeladen ist.
Das GROPYUS Holzbausystem steht damit für eine Verschiebung der Wertschöpfung, weg von der klassischen Baustelle, hin zu einer Lieferkette, die stark von Fabrikkapazitäten und Transportketten abhängt. Für Vonovia bedeutet das potenziell mehr Planbarkeit, aber auch eine stärkere Bindung an einen industriellen Partner und dessen Auslastung. Wer seriell bauen will, muss nicht nur standardisieren, sondern auch dafür sorgen, dass die Produktion kontinuierlich läuft, sonst kippt der Effizienzvorteil schnell in neue Kosten.
Politik schaut hin, weil Nachverdichtung zum Engpassfaktor wird
Besonders aufmerksam wird die öffentliche Hand dort, wo Neubau mit Klima- und Qualitätsvorgaben verbunden wird. Für das Projekt sei ein Effizienzhaus 55 NH vorgesehen, zudem strebe es das Siegel Nachhaltiges Gebäude PLUS an, bei dem das BMWSB als Siegelgeber genannt wird. Solche Standards können Orientierung geben, sie erhöhen aber auch die Anforderungen an Dokumentation und Nachweise, was in der Praxis wiederum Zeit und Geld bindet.
Joachim habe das Grunddilemma der Wohnungspolitik auf den Punkt gebracht: „Fest steht, wir müssen schneller und kostengünstiger bauen, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden.“ Nach Einschätzung der Beteiligten könne Nachverdichtung im Wohnungsbau genau dort helfen, wo Städte an Flächen- und Akzeptanzgrenzen stoßen. Ob der Ansatz skaliert, dürfte am Ende weniger an der Machbarkeit einzelner Pilotprojekte hängen, sondern daran, ob Kosten, Finanzierung, Lieferketten und Genehmigungen gleichzeitig in eine verlässliche Taktung gebracht werden können, ohne dass Nachhaltigkeitsansprüche nur als Etikett verbleiben.
Quellenhinweis:
Der Artikel basiert auf einer Pressemitteilung von Vonovia, die von unserer Redaktion um weitere Informationen ergänzt wurde.


