Zalando weitet den Einsatz automatisierter Systeme in seinen Logistikzentren aus. Bis zu 50 KI-Roboter des Technologieunternehmens Nomagic sollen künftig in mehreren europäischen Standorten Aufgaben bei Sortierung und Verpackung übernehmen. Für die Modehandel Logistik ist der Schritt mehr als eine technische Modernisierung, weil er zeigt, wie stark E-Commerce-Anbieter ihre Lieferketten auf Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und geringere Fehlerquoten trimmen.
Der Ausbau betrifft ein europäisches Logistiknetzwerk, das hohe Stückzahlen, wechselnde Sortimente und saisonale Spitzen bewältigen muss. Nach Angaben des Unternehmens wurden die Systeme zunächst getestet, bevor nun die breitere Einführung folgt. Besonders relevant ist dabei nicht allein, dass Roboter Artikel bewegen, sondern dass sie mit sehr unterschiedlichen Produkten umgehen sollen. Gerade im Modehandel entstehen viele kleine, variable Arbeitsschritte, die sich schwerer automatisieren lassen als standardisierte Industrieprozesse.
Die Zalando Logistik ist deshalb ein Beispiel für einen größeren Branchentrend. Onlinehändler investieren zunehmend in Automatisierung, weil Kundinnen und Kunden schnelle Lieferungen erwarten und Händler zugleich unter Kostendruck stehen. Die KI-Roboter sollen repetitive Tätigkeiten übernehmen, ohne die gesamte Lagerstruktur neu zu erfinden. Damit rückt eine Form der Lagerrobotik in den Vordergrund, die vorhandene Prozesse ergänzt und nicht nur in vollständig neu geplanten Hochautomationszentren funktioniert.
Die schwierige Handhabung von Schuhkartons wird zum Testfall für Lagerrobotik
Ein zentrales Problem liegt ausgerechnet bei einem alltäglichen Produkt: Schuhkartons. Für Menschen ist es einfach, einen Karton mit locker sitzendem Deckel zu greifen, kurz zu korrigieren und in eine andere Kiste zu legen. Für Maschinen ist genau diese Unschärfe schwierig, weil Deckel verrutschen, Kartons schräg liegen oder sich Formate unterscheiden können. Nomagic hat dafür einen sogenannten Shoebox Picker entwickelt, der den Karton mit speziellen Greifern von zwei Seiten stabilisieren soll.
Die Technik verbindet mechanische Greifer mit Computer Vision, also einer bildgestützten Erkennung von Objekten und ihrer Lage. Das System soll Form, Position und Orientierung eines Kartons erfassen und den Griff entsprechend anpassen. Für Laien lässt sich das als eine Art maschinelles Sehen mit anschließender Handbewegung beschreiben, nur dass die Bewegung nicht frei improvisiert wird, sondern auf Daten und trainierten Mustern basiert. In der Modehandel Logistik ist diese Anpassungsfähigkeit wichtig, weil die Produkte in Größe, Verpackung und Lage deutlich stärker variieren als etwa standardisierte Pakete in einer klassischen Paketstraße.
Die Automatisierung zielt weniger auf Showtechnik als auf stabile Durchlaufzeiten
Nach Angaben von Zalando übernehmen die Systeme das Greifen, Scannen und Einsortieren von Artikeln. In einem Pilotprojekt seien bereits Spitzenwerte von 100.000 Picks pro Tag erreicht worden. Solche Zahlen sind vor allem dann relevant, wenn sie nicht nur in kurzen Testfenstern, sondern unter Alltagsbedingungen erzielt werden können. Für den wirtschaftlichen Nutzen zählt am Ende, ob die Roboter dauerhaft präzise arbeiten, Engpässe reduzieren und Durchlaufzeiten verkürzen.
Zalando-Manager Marcus Daute sagte laut Mitteilung, die Testphase habe gezeigt, dass die Robotik von Nomagic zu den Anforderungen des Unternehmens passe. Er erklärte außerdem: „Angesichts unserer Größenordnung brauchen wir eine intelligente Automatisierung, die unsere Prozesse unterstützt.“ Aus redaktioneller Sicht verweist diese Aussage auf den Kern der Investition: Die Zalando Logistik sucht nicht nach punktuellen Effekten, sondern nach einer Technik, die in einem großen Netzwerk wiederholbar eingesetzt werden kann. Gerade bei einfachen, wiederkehrenden Aufgaben kann Automatisierung Kosten senken, zugleich aber auch neue Anforderungen an Wartung, Datenqualität und Prozesssteuerung schaffen.
Die Standortauswahl zeigt, dass Zalando den Einsatz schrittweise skaliert
Die ersten Systeme sind laut Unternehmen bereits in Lahr, Mönchengladbach und Verona im Einsatz. Weitere Roboter sollen in Rotterdam, Stockholm und Paris folgen, außerdem am neuen Standort Gießen, der im Laufe des Jahres den Betrieb aufnehmen soll. Damit verteilt Zalando die Technik nicht auf einen einzelnen Vorzeigestandort, sondern testet ihren Nutzen in einem europäisches Logistiknetzwerk mit unterschiedlichen Warenströmen, Arbeitsroutinen und regionalen Anforderungen.
Diese Skalierung ist strategisch bedeutsam, weil Logistik im Onlinehandel längst ein Wettbewerbsfaktor ist. Wer schneller und zuverlässiger liefern kann, bindet Kundinnen, Kunden und Markenpartner enger an die eigene Plattform. Gleichzeitig wächst der Druck, Investitionen in Automatisierung so einzusetzen, dass sie nicht nur in Spitzenzeiten helfen, sondern über das Jahr hinweg produktiv bleiben. Für das europäisches Logistiknetzwerk von Zalando dürfte daher entscheidend sein, ob die KI-Roboter flexibel genug sind, um mit Sortimentwechseln, saisonalen Nachfragespitzen und unterschiedlichen Verpackungsstandards umzugehen.
Nomagic profitiert von einem Referenzprojekt in einem anspruchsvollen Markt
Für Nomagic ist die Zusammenarbeit mit Zalando ein sichtbarer Schritt in einem Markt, in dem viele Anbieter versprechen, Lagerprozesse durch künstliche Intelligenz robuster zu machen. Das Unternehmen spricht von Physical AI, also KI-Systemen, die nicht nur digitale Entscheidungen treffen, sondern in der realen Umgebung Objekte erkennen, greifen und bewegen. Solche Systeme müssen mit Fehlern, Abweichungen und unvollständigen Informationen umgehen können. Genau darin liegt der Unterschied zu klassischen Robotern, die vor allem in stark kontrollierten Umgebungen zuverlässig arbeiten.
Nomagic-Chef Kacper Nowicki erklärte laut Mitteilung, durch die Verbindung von KI mit physischen Systemen werde ein bisheriger Engpass in einen automatisierten Prozess überführt. Für die Branche bleibt dennoch offen, wie schnell solche Lösungen in der Breite wirtschaftlich werden. Die Modehandel Logistik bietet dafür ein anspruchsvolles Testfeld, weil Produktvielfalt, Retouren und Verpackungsunterschiede hohe Anforderungen stellen. Gelingt der Einsatz im größeren Maßstab, könnte die Zalando Logistik zeigen, wie KI-Roboter von einer Speziallösung zu einem regulären Bestandteil europäischer E-Commerce-Infrastruktur werden.


