ZEISS QuadAlliance soll holografische Windschutzscheiben in die Serie bringen

Vier Industrieunternehmen bündeln ihre Rollen entlang der Wertschöpfungskette für holografische Windschutzscheiben-Displays. Die ZEISS QuadAlliance will die Technik bis 2029 serienreif machen und bietet Automobilherstellern dafür eine offene Liefer- und Integrationsstruktur.

Die Windschutzscheibe wird zur digitalen Anzeigefläche

Die Allianz setzt auf ein Displaykonzept, bei dem Informationen direkt in der Windschutzscheibe erscheinen. Damit reagiert sie auf einen Trend, der moderne Cockpits zunehmend prägt: Immer mehr Bildschirme liefern zwar zusätzliche Funktionen, beanspruchen aber Platz, Energie und Aufmerksamkeit. Holografische Anzeigen sollen Inhalte näher in das natürliche Sichtfeld rücken, ohne das Interieur mit weiterer Hardware zu überladen.

Technisch arbeiten transparente holografische optische Elemente, kurz HOE, mit gezielt eingekoppeltem Licht. Die Scheibe bleibt weitgehend durchsichtig, während Navigationshinweise, Warnungen oder andere Informationen sichtbar werden. Die Partner heben hohe Transparenz, gute Helligkeit bei Sonnenlicht und flexible Anzeigegrößen hervor. Gegenüber klassischen Head-up-Displays verspricht das mehr Gestaltungsfreiheit, weil große Bildflächen weniger Bauraum im Armaturenbrett benötigen sollen.

Für die Autoindustrie ist das nicht nur eine Designfrage. Neue Anzeigeformen müssen sicherheitsrelevante Informationen klar darstellen, dürfen den Blick nicht überfrachten und müssen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zuverlässig funktionieren. Ob die Windschutzscheibe tatsächlich zur zentralen Bedienoberfläche wird, hängt deshalb ebenso von Ergonomie und Software wie von der Optik ab.

Die Allianz deckt die entscheidenden Schritte der Lieferkette ab

Der strategische Kern der ZEISS QuadAlliance liegt in der klaren Arbeitsteilung. ZEISS verantwortet das optische Design und die Masterentwicklung der holografischen Filme. tesa soll diese Strukturen präzise vervielfältigen und damit den Schritt von einem Master zu industriellen Stückzahlen ermöglichen. Saint-Gobain Sekurit übernimmt die Integration in das Fahrzeugglas, einschließlich Laminierung, Haltbarkeit und sicherheitsrelevanter Anforderungen. Hyundai Mobis bringt die Projektionseinheit sowie die System- und HMI-Integration ein.

Damit adressieren die Partner eine typische Schwachstelle neuer Fahrzeugtechnik. Prototypen lassen sich häufig schneller entwickeln als belastbare Serienprozesse. Automobilhersteller verlangen jedoch gleichbleibende Qualität, hohe Stückzahlen, definierte Toleranzen und verlässliche Anläufe. Bei komplexen Optiksystemen entscheidet daher nicht nur das einzelne Bauteil, sondern das Zusammenspiel aus Material, Fertigung, Glasverarbeitung, Elektronik und Software.

Eine durchgängige Kette kann Entwicklungszeiten verkürzen und Verantwortlichkeiten klarer machen. Gleichzeitig entsteht eine eng verzahnte Struktur, die Schnittstellen und Qualitätsstandards gemeinsam beherrschen muss. Für Automobil-OEMs dürfte genau diese industrielle Anschlussfähigkeit wichtiger sein als eine spektakuläre Demonstration auf einer Messe.

Die Serienproduktion bis 2029 bleibt eine anspruchsvolle Wette

Die Partner nennen 2029 als Ziel für die Serienproduktion. Das ist ambitioniert, weil neue Anzeigeformen Jahre vor einem Modellstart festgelegt und anschließend umfangreich geprüft werden. Neben optischer Leistung zählen Temperaturbeständigkeit, Alterung, Vibrationen, Reparaturfähigkeit und die Einhaltung von Vorschriften für das Sichtfeld. Auch Produktionskosten müssen so weit sinken, dass die Technik nicht auf wenige Luxusmodelle beschränkt bleibt.

ZEISS verweist auf Fortschritte bei Mastering und Replikation und spricht von einem Gutenberg-Moment der Holografie. Gemeint ist, dass die Strukturen nicht mehr nur im Labor entstehen, sondern effizient vervielfältigt werden können. Genau dieser Übergang entscheidet darüber, ob aus einer interessanten Technologie ein industrielles Produkt wird.

Offen bleibt, wie Autofahrerinnen und Autofahrer große holografische Flächen akzeptieren. Die Anzeige darf nicht ablenken, muss sich an Sitzpositionen anpassen und bei verschiedenen Augenhöhen stabil funktionieren. Variable Eyebox-Konzepte und klar definierte Inhalte werden deshalb ebenso wichtig wie Transparenz und Helligkeit. Die Serienreife wird sich erst zeigen, wenn Technik, Bedienlogik und Produktionsqualität gleichzeitig überzeugen.

Die europäisch-koreanische Kooperation setzt auf Offenheit statt Exklusivität

Mit ZEISS, tesa und Saint-Gobain Sekurit stehen drei europäische Industrieunternehmen neben Hyundai Mobis als koreanischem Systemintegrator. Die Konstruktion zeigt, wie international die Lieferketten für künftige Fahrzeug-Interfaces organisiert werden. Optik, Folienproduktion, Glas und Elektronik stammen aus unterschiedlichen Kompetenzfeldern, die ein einzelner Anbieter kaum vollständig abdecken kann.

Industriepolitisch ist das relevant, weil Automobilhersteller ihre Lieferketten nach den Engpässen der vergangenen Jahre stärker auf Resilienz und planbare Beschaffung prüfen. Eine Allianz, die zentrale Prozessschritte gemeinsam anbietet, kann den Markteintritt erleichtern und Risiken beim Hochlauf begrenzen. Zugleich dürfte sie den Druck auf andere Zulieferer erhöhen, kompatible Lösungen oder eigene Ökosysteme aufzubauen.

Bemerkenswert ist, dass die QuadAlliance ausdrücklich nicht exklusiv angelegt sein soll. Damit will sie offenbar verhindern, dass Hersteller eine zu starke Bindung an ein geschlossenes System befürchten. Für OEMs bleibt dennoch abzuwägen, ob eine nahezu vollständige Lieferkette aus einer koordinierten Allianz mehr Sicherheit bietet oder ob einzelne Schritte bewusst diversifiziert werden sollten. Der Erfolg bis 2029 wird daher nicht nur an der Bildqualität gemessen, sondern daran, ob sich das Modell flexibel in unterschiedliche Fahrzeugplattformen, Kostenstrukturen und Beschaffungsstrategien einfügt.

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