ZooRoyal Düsseldorf setzt auf stationäre Tierfachmärkte

Mit der Eröffnung eines mehr als 1.400 Quadratmeter großen Marktes am 16. Juli hat ZooRoyal sein Filialnetz erstmals nach Nordrhein-Westfalen ausgeweitet. Der Tierfachmarkt Düsseldorf verbindet ein breites Sortiment mit Beratung, Gesundheitsangeboten und zusätzlichen Dienstleistungen. Für REWE ist der Standort ein weiterer Schritt, um sich im Heimtierbedarf Deutschland jenseits des klassischen Supermarktgeschäfts stärker zu positionieren.

Der neue Markt zeigt, wie sich der Wettbewerb um Tierhalter verändert. Statt allein auf Futter und Zubehör zu setzen, bündelt ZooRoyal Düsseldorf Einkauf, Beratung und Dienstleistungen an einem Ort. Das Konzept folgt einem bekannten Muster im Einzelhandel: Große Flächen sollen einen Mehrwert bieten, den reine Onlineangebote nur begrenzt abbilden können. Dazu gehören persönliche Unterstützung, unmittelbar nutzbare Services und eine Warenpräsentation, die stärker auf Entdeckung als auf den schnellen Preisvergleich zielt.

Der Gesundheitsfokus soll aus Verkaufsfläche einen Versorgungsort machen

Rund 200 Quadratmeter sind Themen wie Verdauung, Gelenken, Fellpflege, Zahngesundheit und Immunsystem gewidmet. Ab 2027 soll zudem eine Tierarztpraxis in den Markt einziehen, wodurch der Tierfachmarkt Düsseldorf näher an ein Versorgungszentrum für Haustiere rückt. Für Kundinnen und Kunden kann das Wege verkürzen, zugleich verschwimmen damit die Grenzen zwischen Einzelhandel, Fachberatung und medizinischer Betreuung. Die räumliche Nähe zu einer Praxis dürfte außerdem das Vertrauen in den Gesundheitsbereich stärken, auch wenn Verkauf und Behandlung organisatorisch getrennt bleiben müssen.

Der Schwerpunkt ist wirtschaftlich relevant, weil Spezialfutter, Ergänzungsprodukte und Pflegeartikel erklärungsbedürftiger sind als klassische Standardware. ZooRoyal setzt auf ein Sortiment, das von herkömmlichem Nass- und Trockenfutter bis zu BARF, Frischfutter, Bioangeboten und vegetarischen Produkten reicht. Entscheidend wird sein, ob die Beratung als sachlich und bedarfsgerecht wahrgenommen wird oder vor allem den Absatz höherpreisiger Produkte unterstützt. Gerade bei gesundheitlichen Fragen muss der Handel deutlich machen, wo allgemeine Orientierung endet und tiermedizinische Diagnose beginnt.

Der Erlebnisansatz ist eine Antwort auf den Druck des Onlinehandels

Waschstationen für Hunde, ein Hundefriseur, Snackbars, Gravurangebote und ein Waschsalon für große Tiertextilien sollen den Besuch verlängern und zusätzliche Anlässe schaffen. Auch die Aquaristik mit Schauaquarium, Süß- und Meerwasserbereichen sowie Arbeitsflächen für die Gestaltung von Aquarien ist stärker auf Erfahrung als auf reine Warenpräsentation ausgerichtet. Stationäre Tierfachmärkte versuchen damit, ihre hohen Flächenkosten durch Service, Aufenthaltsqualität und Beratung zu rechtfertigen. Das Farbleitsystem und die nach Tierarten gegliederten Bereiche sollen zugleich verhindern, dass die große Auswahl unübersichtlich wirkt.

Der Ansatz ist ein Test für die Zahlungsbereitschaft in einem Markt, in dem Supermärkte, Drogerien, Fachanbieter und Onlinehändler um dieselben Haushalte konkurrieren. Mit mehr als 15.000 Artikeln will ZooRoyal eine Auswahl bieten, die auf üblichen Lebensmittelmarktflächen kaum darstellbar wäre. Für den Heimtierbedarf Deutschland könnte das Modell vor allem dort funktionieren, wo viele Tierhaushalte, ausreichende Kaufkraft und eine gute Erreichbarkeit zusammenkommen. Die Pressemitteilung nennt allerdings weder eine Investitionssumme noch konkrete Umsatzziele, weshalb die wirtschaftliche Größenordnung des Düsseldorfer Vorstoßes offenbleibt.

REWE nutzt ZooRoyal für eine breitere Omnichannel-Strategie

ZooRoyal gehört seit 2014 zur REWE Group und war lange vor allem als Onlinehändler sowie als Marke in anderen Vertriebskanälen sichtbar. Der Schritt nach Düsseldorf macht deutlich, dass der Konzern im Heimtiergeschäft nicht nur Reichweite über bestehende Märkte sucht, sondern eigene Fachmarktflächen aufbauen will. Die Führung durch einen selbstständigen REWE-Kaufmann überträgt dabei ein bekanntes Modell aus dem Lebensmittelhandel auf eine spezialisierte Branche. Lokale Verantwortung und die Einkaufsstärke eines großen Konzerns sollen sich ergänzen, ohne dass bereits feststeht, wie gut dieses Zusammenspiel außerhalb des Kerngeschäfts funktioniert.

Strategisch kann REWE Einkauf, Eigenmarken, Logistik und Kundenzugänge miteinander verbinden. Solche Synergien können Lieferketten stabilisieren und Kosten senken, sie erhöhen aber auch den Druck auf kleinere, unabhängige Fachgeschäfte. ZooRoyal Düsseldorf wird deshalb nicht nur an Umsatz und Besucherzahlen gemessen werden, sondern auch daran, ob Beratung und Dienstleistungen ausreichend häufig genutzt werden. Erst wenn das Konzept an mehreren Standorten trägt, lässt sich beurteilen, ob daraus ein eigenständiges Wachstumsfeld für den Handelskonzern entsteht.

Die Expansion entscheidet über die Tragfähigkeit des Konzepts

Bislang betrieb ZooRoyal vier Fachmärkte im Norden Deutschlands, nun soll der Ausbau schrittweise auf weitere REWE-Regionen ausgeweitet werden. Als nächster Standort ist Osnabrück angekündigt, weitere Märkte sind für die kommenden Jahre vorgesehen. Aus einer einzelnen Neueröffnung wird damit eine Standortexpansion, die ZooRoyal zu einem bundesweit sichtbaren Anbieter machen könnte. Das Tempo bleibt dennoch vorsichtig, denn jeder zusätzliche Markt bindet Fläche, Personal und Kapital über längere Zeit.

Der Erfolg hängt nicht allein von Sortiment und Storedesign ab. Große Fachmärkte verursachen hohe Miet-, Personal- und Betriebskosten, während viele Standardprodukte online leicht vergleichbar bleiben. Gelingt es dem Unternehmen, Tiergesundheit, Service und Vertrauen glaubwürdig zu verbinden, könnten stationäre Tierfachmärkte neue Kundengruppen binden und den Onlinehandel sinnvoll ergänzen. Bleibt die Nutzung der Zusatzangebote hinter den Erwartungen zurück, droht der Erlebnisansatz dagegen zu einer teuren Kulisse für ein Geschäft zu werden, das weiterhin stark über Preis und Verfügbarkeit entschieden wird.

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